Skepsis auch in der Mannschaft
Kritik an Advocaat reißt nicht ab

Das Spiel der niederländischen Auswahl gegen Deutschland hat die Kritik an Bondscoach Dick Advocaat wieder neu aufflammen lassen. Vor dem Spiel gegen den Mitfavoriten Tschechien wehrt sich nun der Trainer.

HB BERLIN. Vor dem Spiel der niederländischen Nationalmannschaft gegen die Auswahl Tschechiens sieht sich Bondscoach Dick Advocaat weiter der Kritik ausgesetzt. Nun haben sich auch die Trainerkollegen aus der Heimat unter die Kritiker gemischt, nachdem zuvor schon «Kaiser» Franz Beckenbauer und «König» Johan Cruyff einiges am Nationaltrainer auszusetzen hatten. «Mit Advocaat kann die Mannschaft nie Europameister werden», sieht Co Adrianse von AZ Alkmaar schwarz für den zweiten EM-Titel nach 1988.

Auch Marc Wotte, der zukünftige Technischer Direktor bei Feyenoord Rotterdam, stellt dem ersten Trainer im Land nicht das beste Zeugnis aus: «Advocaat findet nie die richtige Formation, er kann sich nicht durchsetzen.» Nicht nur aus dem Fußball-Lager werden Bedenken geäußert. Wimbledonsieger Richard Krajicek, in Holland eine anerkannte Sportgröße, macht aus seiner Abneigung gegenüber Advocaat kein Geheimnis: «Wenn ein Trainer ständig seine Taktik ändert, kann er keinen Erfolg haben.»

Gereizt reagierte der Gescholtene und verbot seinen Profis inzwischen jegliche Einzel-Interviews. Die niederländische Presse hat auch die letzte Zurückhaltung aufgegeben und verschärft die Gangart gegenüber dem Auswahltrainer. «Advocaat wechselt die Spielsysteme wie ein Hollywood-Star seine Frauen», kommentierte De Volkskrant bissig.

Advocaat zeigte keinerlei Verständnis für die Kritik. «Deutschland hat das beste Spiel seit zwei Jahren gegen uns gemacht. Ich verstehe nicht, was die Kritik soll. Dass bei uns mehr Spieler Verantwortung übernehmen müssen und uns die große Inspiration fehlte, weiß ich selbst», sagte der Coach: «In Holland hat man immer nur damit zu tun, sich gegen ungerechtfertigte Angriffe zu verteidigen.»

Immerhin steht für den Schlagabtausch mit dem tschechischen Team Clarence Seedorf wieder zur Verfügung. Der Mittelfeldstratege von Italiens Meister AC Mailand hat seine Oberschenkel-Verletzung auskuriert. Doch auch innerhalb der Mannschaft steht man der eigenen Leistung eher skeptisch gegenüber. «Die Mannschaft ist schwächer als 1998 und 2000, wir zählen nicht zu den Favoriten», so Schlussmann Edwin van der Sar. Pierre van Hooijdonk wäre «schon froh über ein Unentschieden gegen Tschechien».

Den Gegner aus Tschechien lassen die Querelen im gegnerischen Lager kalt. «Wir konzentrieren uns auf uns selbst, weil wir wissen, dass für unsere Fans alles andere als das Weiterkommen eine riesige Enttäuschung sein würde», sagt Vladimir Smicer vom FC Liverpool, warnt aber gleichzeitig: «Wir haben noch nicht wieder die Form der Qualifikation, und Holland ist eines der besten Teams der Welt.»

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