Skepsis bei Aktionärsschützern
Umstrittene Dachfonds sammeln Milliarden ein

Obwohl von Verbraucherschützern kritisch beäugt, investieren deutsche Anleger Milliardensummen in Dachfonds. Die Idee ist, dass diese nicht in Einzelwerte investieren, sondern in andere Fonds.

dpa-AFX FRANKFURT. Trotz Börsenflaute wurden in den ersten sechs Monaten dieses Jahres 5,3 Milliarden Euro in Dachfonds neu&angelegt, wie ein Sprecher des Bundesverbandes Deutscher Investmentgesellschaften bestätigte. Unter 70 Fonds, die im zweiten Quartal dieses Jahres in Deutschland neu aufgelegt wurden, waren allein 40 Dachfonds zu finden. Damit stieg deren Anzahl Ende Juni dieses Jahres auf 240 mit einem Gesamtvolumen von 26,4 Milliarden Euro. "Die Tendenz ist stark steigend, wenn auch von einer niedrigen Ausgangsbasis", fügte der Sprecher hinzu.

Dabei stand diese Anlageform lange Zeit im Kreuzfeuer der Kritik: Eine Milliarde Mark hat Bernie Cornfeld in den siebziger Jahren mit der spektakulären Pleite seiner "Investors Overseas Services" (IOS) vernichtet. Unzählige Anleger verloren durch dieses heutigen Dachfonds ähnelnde Konstrukt sowie dessen absurd hohe Gebühren ihr Erspartes. Seitdem waren Dachfonds in Deutschland wegen ihrer etwaig nebulösen Gebührenstrukturen generell verboten.

Seit Frühjahr 1998 steht diese Investitionsmöglichkeit nun auch dem deutschen Interessenten wieder zur Verfügung. Allerdings mit deutlichen Einschränkungen: Laut Gesetz dürfen maximal 20% des Dachfonds-Volumens in einer einzelnen Position angelegt werden. Zugleich dürfen Dachfonds höchstens 10% aller Anteile eines Einzelfonds erwerben und ausschließlich in deutsche beziehungsweise in Deutschland zugelassene Fonds investieren. Strikt verboten ist den Managern der Anteilserwerb an einem anderen Dachfonds.

Aktionärschützer sehen Dachfonds mit skeptisch

"Wir stehen Dachfonds generell ein wenig skeptisch gegenüber", sagte Carsten Heise, Geschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. Er begründete dies mit der möglichen Doppelbelastung bei den Managementgebühren. Diese fallen oft sowohl beim Dachfonds als auch bei den in dessen Portfolio vertretenen Fonds an. Kostenvergleiche seien daher dringend zu empfehlen. Darüber hinaus sollten Anleger darauf achten, ob der Dachfonds nur in Fonds der eigenen Gesellschaft oder auch in Fonds anderer Unternehmen investiert, betonte Heise. Nur so könnten im Idealfall die weltbesten Fonds ausgewählt werden. Zudem stelle sich die Frage, ob der Investor noch wisse, in welche Titel er letzten Endes sein Geld anlege. Die breite Risikostreuung gleiche dieses Manko zum Teil aber auch wieder aus, fügte Heise hinzu.

Rund 160 Millionen Euro verwaltet die Sauren Fonds Select Sicav in drei eigenen Dachfonds. Bei einem vernünftigen Konzept sei die Dachfonds-Idee für den Investoren durchaus von Vorteil, sagte Sauren-Fondsmanager Hermann-Josef Hall. Die Gebührenbelastung sieht Hall nicht problematisch: zum Einen würde der Ausgabeaufschlag nur ein einziges Mal beim Dachfonds-Investment anfallen - auch bei Fonds-Umschichtungen -, zum Anderen würde für einen Dachfondsmanager die steuerliche Haltefrist von 12 Monaten nicht bestehen.

Allerdings könnten bei den Verwaltungsgebühren durchaus Doppelbelastungen für den Anleger auftreten. Von Reduktionen der Managementkosten der Einzelfonds auf Grund der hohen Investitionsvolumina würden die Investoren aber wiederum profitieren, betonte Hall.

Die DWS, Fondstochter der Deutschen Bank, verwaltet eigenen Angaben zufolge derzeit 7,4 Milliarden Mark in Dachfonds und ist somit zweitgrößter Spieler in diesem Markt. Für den Erfolg eines Dachfonds sei entscheidend, ob der Manager eine tatsächliche Auswahlmöglichkeit habe - also auch in Fonds anderer Häuser investieren könne, sagte ein Sprecher der DWS.

Die Resonanz auf der Kundenseite sei sehr hoch: "Dachfonds gehören zu den am Besten verkauften Produkten". Das Segment werde seiner Einschätzung nach auch künftig für Anleger und Anbieter attraktiv bleiben.

"Resultate nicht berauschend"

Nach Einschätzung der SJB Investment-Beratung dagegen konnten die in Deutschland angebotenen Dachfonds bislang nicht überzeugen. Einer aktuellen Studie zufolge hätten sie bis dato in keiner Kategorie vergleichbare internationale Einzelfonds in der Wertentwicklung übertroffen, sondern deutlich schlechter abgeschnitten. Trotz der schwachen Resultate würden Dachfonds dennoch durchschnittlich höhere Verwaltungsgebühren als Einzelfonds verlangen. Im Jahresvergleich (30.6.) habe der klassenbeste Dachfonds, der Skyline Klassik von der Gesellschaft Fonds Direkt, einen Zuwachs von lediglich 5,51% erzielt. Der beste internationale Aktienfonds, der Morgan Stanley Global Value Equity, habe im selben Zeitraum 18,37% gewonnen.

Nach Ansicht des SJB-Geschäftsführers Gerd Bennewirtz lassen die Konstruktion und Geschäftspolitik von Dachfonds ein positives Kosten-Leistungsverhältnis kaum zu. Entweder müsse in gesellschaftseigene Zielfonds investiert werden, was eine optimale Auswahl verhindere. Oder es falle eine doppelte Gebührenbelastung an, sofern auch in Fonds anderer Gesellschaften investiert werde. Bennewirtz schließt: "Bei den Dachfonds ist in den letzten drei Jahren nicht viel herausgekommen. Die bisherigen Ergebnisse sind dürftig." Seines Erachtens bleiben internationale Einzelfonds erste Wahl.

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