Skepsis bei den Innungen: Handwerker sollen Kunden an Yello binden

Skepsis bei den Innungen
Handwerker sollen Kunden an Yello binden

Mit aggressiver Werbung hat der Billigstromanbieter Yello in den vergangenen zwei Jahren über 700 000 Kunden gewonnen, dafür aber hohe Verluste angehäuft. Jetzt bietet die EnBW-Tochter zusätzliche Dienstleistungen an - bei den bisherigen Projekten allerdings mit nur mäßigem Erfolg.

STUTTGART. Die Yello Strom GmbH steigt in das Geschäft mit Handwerksdienstleistungen ein. Seit kurzem wirbt die Tochter der Energie Baden-Württemberg AG (EnBW) in Köln und München mit Sofortreparaturen rund um die Uhr. Yello tritt dabei allerdings nur als Vermittler auf. Kooperationspartner ist die Münchner Agemis GmbH, eine Tochter von Allianz und der Deutsche Telekom-Tochter DeTeImmobilien. Sie hat bundesweit laut Yello 18 000 Handwerker unter Vertrag und will Glaser, Heizungsmonteure oder Elektriker innerhalb von drei Stunden zum Kunden bringen.

Noch haben Yello und Agemis das Vermitteln von Handwerkerdiensten als Pilotprojekt eingestuft. Für beide Unternehmen ist diese Dienstleistung Neuland. Agemis bietet das Partnernetz von Handwerksbetrieben und die entsprechenden Dienstleistungen bislang nur gewerblichen Kunden an. Mit Yello testen die Münchner nun die Chancen bei Privatkunden.

Die Handwerkskammer in Köln versieht den Erfolg dieses Versuchs erst einmal mit Fragezeichen und bleibt gelassen. "Wir haben schon ähnliche Versuche scheitern sehen", sagt Franz-Josef Huth von der Elektroinnung und wirbt mit eigenen Notdienst.

Unter dem Strombilliganbietern ist Yello, was Markenimage und Kundenzahl angeht, bisher mit Abstand das erfolgreichste Unternehmen im Markt. Seit dem Unternehmensgründung im Sommer 1999 hat das Unternehmen nach eigenen Angaben mehr als 700 000 Kunden gewonnen. "Mit dem Werbespruch Strom ist gelb, hat Yello fast schon einen Kultstatus in Deutschland erreicht", urteilt Lüder Schumacher, Analyst bei der Deutschen Bank in einer Untersuchung. Entscheidend sei für das Management von EnBW und Yello, aus dem Marketingerfolg auch einen wirtschaftlichen Erfolg zu machen. Die Stromfirmen, die nach der Liberalisierung des deutschen Strommarktes gestartet sind, schreiben alle Verluste.

EnBW hat mit Yello große Pläne. Das Unternehmen soll mehr sein als nur bloßer Stromlieferant. "Weil Strom unsichtbar ist, wollen wir den Kunden das Gefühl geben, dass wir uns um sie kümmern", sagt ein EnBW-Sprecher. Auf Testmärkten prüfe Yello, welche Dienstleistungen der Kunde wirklich will.

Der Billigstromanbieter will mit den Dienstleistungen die Kundenbindung stärken, aber zugleich Geld verdienen. Bei dem Produkt Handwerkervermittlung zahlen Kunden wie Nichtkunden pauschal 66 Euro für die Erste-Hilfe-Beratung, einschließlich Vermittlung und Anfahrt des Handwerkers. Die Preise für die Reparatur selbst seien "fair und günstig" und in drei Tarife, Tag, Nacht und Wochenende gestaffelt, heißt es bei Yello.

Wie lange die Testphase für die Sofortreparatur dauert, will ein Yello-Sprecher nicht sagen. Schweigsam bleibt er auch bei einem anderen Produkt, dem Leasing von Haushaltsgeräten, das Yello seit Sommer mit Bauknecht zusammen in Berlin anbietet. Die Pilotphase ist abgeschlossen, die Zahlen werden ausgewertet. Weil bei EnBW niemand von Erfolg spricht, dürfte diese Kooperation beendet werden. Zumal sich Berliner Hausgeräte-Händler über Bauknecht ärgerten.

Seit kurzem versucht Yello noch mit zwei weiteren Produkten die Kundenbindung zu stärken. Das Produkt Yello-Fon offeriert preiswertes Telefonieren zusammen mit der konzerneigenen Telefonfirma Tesion. Auch die Riesterrente hat es Yello angetan: Beim Produkt Moneymore sind die Karlsruher Versicherungen Partner.

Misserfolge bei Produktversuchen sind jedoch nicht der große Verlustbringer für Yello. Das bleibt die Stromsparte. Sie hat 2001 weniger Kunden hinzugewonnen, als in den Vorjahren. Nach zwei Preiserhöhungen ist Yello nicht überall günstiger als die Stadtwerke.

In der Branche wird spekuliert, wie lange EnBW den hohen Yello- Verlust tragen will. Rund 100 Mill. Euro hat das Kölner Unternehmen nach Informationen des Handelsblattes seit 1999 in die Werbung gesteckt. EnBW-Chef Gerhard Goll hat im April die Anlaufverluste pro Kunden auf 511 Euro pro Kunden beziffert. Bei 700 000 Kunden wären das mehr als 350 Mill. Euro.

EnBW steht jedoch weiter zu Yello, auch wenn sich dieses Engagement nur sehr langfristig rentiert. Ein Firmensprecher argumentiert, EnBW könne bundesweit nur über Yello oder über den Kauf von Stadtwerken wachsen, was noch teurer sei. Yello will Ende 2003 in die Gewinnzone kommen und 1,3 Mill. Kunden haben. "Dabei kommt es nicht auf den Monat an", sagt der Firmensprecher.

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