Skepsis beim Betriebsrat
Grundig-Konzern wird verkauft

Wie heute bekannt wurde, erhöht der Antennen-Hersteller Kathrein seine Beteiligung an dem Unterhaltungsunternehmen auf 74 %.

dpa NÜRNBERG. Der traditionsreiche Unterhaltungselektronik- Konzern Grundig wird an den Antennenbauer Kathrein verkauft. Der Hersteller von Satellitenanlagen werde seine Beteiligung auf rund 74 % der Anteile ausbauen, berichtete die Bayerische Elektronik- Beteiligungs GmbH (BEB), in der die Grundig-Anteilseigner zusammengeschlossen sind, am Mittwoch in München. Einen entsprechenden Beschluss hätten Anteilseigner am Dienstagabend in München gefasst.

Damit kommt die Grundig AG wieder unter industrielle Führung. Bisher hatte ein Bankenkonsortium Grundig geleitet. Der Verkauf ist nun noch von der Zustimmung der Bankgremien abhängig, die laut BEB aber noch in diesem Monat erwartet wird. Zum Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Nach Expertenmeinung könnte der Preis auf dem Niveau des Grundig-Grundkapitals von 350 Mill. DM liegen.



Befürchtungen: Massiver Stellenabbau

Welche Veränderungen es nach dem Kauf im Grundig-Konzern geben wird, war zunächst unklar. Der neue Mehrheitsaktionär Anton Kathrein wollte sich am Mittwoch nicht zu seinen Ziele äußern. Auch die BEB hat nach eigenen Angaben noch kein unternehmerisches Konzept beschlossen. Der Kauf wurde aber positiv beurteilt. "Das gibt für das Unternehmen einen Ruck nach vorne", sagte Wolf-Rüdiger Willig, BEB- Geschäftsführer. Der Grundig-Betriebsrat befürchtet dagegen einen massiven Stellenabbau. Trotz mehrfacher Bemühungen sei in den vergangenen Wochen kein Gespräch mit Kathrein zu Stande gekommen, kritisierte der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Dieter Appelt.

Bislang war Kathrein aus Rosenheim nur mit 25,4 an Grundig beteiligt. Wie die Hypo- und Vereinsbank bestätigte, gibt sie als größte Grundig-Anteilseignerin ihr Paket von 37,3 % ganz ab. Grundig hatte im vergangenen Jahr bei 2,7 Mrd. DM Umsatz mit 15 Mill. DM nur einen relativ kleinen Gewinn erwirtschaftet. In diesem Jahr ist eine Umsatzsteigerung von zehn Prozent angestrebt, allerdings könnte der starke $ das Ziel gefährden, operativ einen Gewinn auszuweisen.

Derzeit liegen 15 % an Grundig bei der Veritas Vermögensverwaltung (Allianz und Münchener Rück). Kleinere Pakete halten die Schmidt-Bank in Hof, die Bayerische Landesbank, die Bayerische Landesanstalt für Aufbaufinanzierung (LfA), die bayerischen Sparkassen und das Management. Dieses Bankenkonsortium war 1997 nach dem Ausstieg des niederländischen Philips-Konzerns bei Grundig zu Stande gekommen. Die Kathrein-Werke KG ist nach eigenen Angaben der weltweit größte Antennenproduzent. 1999 setzte die Firma rund 1,1 Mrd. DM um und rechnet für 2000 mit einer Steigerung auf 1,3 Mrd. DM.

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