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Skeptischer Ausblick bei Airbus und Boeing

Angesichts der Krise in der Luftfahrtbranche wachsen die Befürchtungen bei Airbus und Boeing vor einem tiefen Fall der Flugzeugbestellungen im kommenden Jahr.

dpa TOULOUSE. Nach Auftragseingängen für voraussichtlich rund 675 Flugzeuge mit mehr als 100 Sitzen in diesem Jahr droht nach jüngsten Airbus-Prognosen ein Absturz auf weniger als 350 Maschinen. "Schlimmstenfalls wird sich der Auftragseingang im gesamten zivilen Markt um die Hälfte verringern", schätzt Martin Howes, technischer Marketing-Direktor von Airbus in Toulouse.

Zwar berichten die Fluggesellschaften, dass sich die Passagierzahlen auf den internationalen Routen nach den starken Rückgängen seit den Terroranschlägen am 11. September langsam wieder normalisieren. "Aber die Unsicherheit am Markt ist weiter sehr groß", meint auch US-Konkurrent Boeing.

Zwei Fakten machen den beiden großen Rivalen im Flugzeugbau trotz Stornierungen und verzögerten Auslieferungen wieder Mut: Boeing und Airbus sitzen nach wie vor auf einem Auftragsbestand, dessen Dollar-Wert sich im dreistelligen Milliarden-Bereich bewegt. Das kann wohl kein anderer Industriezweig aufweisen. "Bei Airbus sichert das die Auslastung für vier Jahre", wird in Toulouse hervorgehoben.

Verwiesen wird von Branchenkennern zudem auf die große Zahl von Flugzeugen, die von den schwer getroffenen Airlines ausgemustert wurden, um radikal Kosten zu sparen. In den Wüsten Arizonas und Kaliforniens sind inzwischen rund 1600 Maschinen geparkt. Branchenkenner rechnen mit einem Anstieg auf bald 2000.

"Die Flugzeuge sind meist älteren Typs und dürften kaum Chancen haben, nach der Krise wieder auf den Markt zu kommen. Wahrscheinlicher ist die Verschrottung", sagt Luftfahrtexperte Peter Pletschacher. Ein starker Einbruch bei den Neuaufträgen sei denkbar. "Mittel- und langfristig sind aber wieder deutliche Wachstumsraten zu erwarten - nicht zuletzt, um die jetzt außer Dienst gestellten Maschinen zu ersetzen." Auch Howes erwartet, dass die Krise zwar kurzfristig heftig sein wird, aber nicht von langer Dauer. 2003 dürfte der Markt wieder auf etwa 600 Bestellungen anziehen.

Airbus rechnet sich bessere Chancen aus, die Krise sanfter abzufangen als Boeing. Im laufenden Jahr sei Airbus die Nummer eins bei den Auftragseingängen mit 352 Maschinen per Ende November vor Boeing mit 284 Maschinen. Auch wertmäßig liege der europäische Hersteller bei den Bestellungen mit rund 40 Mrd. Dollar (88 Mrd DM/45 Mrd Euro) klar vor Boeing mit 23 Mrd. Dollar. Beim Auftragsbestand habe Airbus mit 1643 Maschinen Ende Oktober den US- Hersteller mit 1406 Verkehrsflugzeugen deutlich überholt.

Während Boeing bei Auslieferung und Fertigung kräftig zurücksteckt und die Zahl der Beschäftigten im zivilen Flugzeugbau von 100 000 um rund 30 000 verringert, rechnet Airbus bislang mit einer moderaten Lieferrückgang von 320 auf 300 Jets im kommenden Jahr. Die Produktion wurde eingefroren, die Beschäftigtenzahl soll bei rund 44 000 gehalten werden. Auf den krisengeschüttelten Luftfahrtmärkten kann Airbus zudem mit der neuen A380-Familie mit bis zu 800 Sitzen auftrumpfen. Der Jet soll Anfang 2006 in Dienst gestellt werden. Bei den führenden Fluggesellschaften, die sich am langfristigen Trend steigender Passagierzahlen orientieren, ist der Super-Airbus zusehends gefragt. Inzwischen liegen 70 Festbestellungen und zwölf Kaufabsichten für die teuren Flugzeuge vor.

Die Ankündigung der Deutschen Lufthansa, 15 dieser Großraumjets zu ordern, bestärkt Airbus darin, Kurs zu halten. Auch im Hamburger Airbus-Werk, wo am Mühlenberger Loch die Arbeiten für eine A380-Halle gerade begonnen haben, werden die Arbeiten zügig vorangetrieben. In Toulouse soll der erste Spatenstich für die A380-Fertigungsanlage in Kürze folgen.

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