Skispringen
Beim Geschäft mit der Tournee profitieren die Verbände

Die Vierschanzentournee bewegt Millionen - vor den Fernsehgeräten und auf den Konten. Das deutsch-österreichische Springer-Spektakel zieht seit 50 Jahren mehr Zuschauer als jedes andere Sport-Ereignis um die Jahreswende in seinen Bann.

dpa OBERSTDORF. An den Schanzen in Oberstdorf, Garmisch-Partenkirchen, Innsbruck und Bischofshofen werden bei der Jubiläums-Auflage rund 90 000 Fans die Flüge der "Adler" bestaunen. Allein in Deutschland sitzen regelmäßig fast 30 Mill. Menschen vor dem Bildschirm.

Als TV-Hit erweist sich dabei immer das Neujahrsspringen. RTL lockte im vergangenen Winter mehr Zuschauer vor die Bildschirme, als es die Öffentlich-Rechtlichen in den 48 Jahren ihrer Übertragungen vermochten. Allerdings haben die Kölner ihr Ziel von deutlich mehr als zehn Mill. ständigen Zuschauern bisher nicht erreicht. Mit 9,89 Mill. im Durchschnitt und 10,66 in der Spitze sorgten sie aber für einen neuen Zuschauer-Rekord. Unter den "Top ten" der Sport- Sendungen des zu Ende gehenden Jahres landete das Neujahrsskispringen noch nicht. Ob das diesjährige Werbe-Konzept mit der Konzentration auf das Duell Adam Malysz gegen Martin Schmitt aufgeht, werden die nächsten Tage zeigen.

Die Tournee hat sich in den vergangenen zehn Jahren auch wegen der immer umfangreicheren TV-Übertragungen zu einer Goldgrube entwickelt. Die Kosten für die Durchführung der vier Springen belaufen sich auf fast 2,8 Mill. DM (rund 1,43 Mill. Euro). Allein die Werbe- Einnahmen werden aber auf 4,1 Mill. Euro geschätzt. Begonnen hatte es 1953 mit einem Etat von 100 000 DM. Die Springer selbst profitieren am wenigsten, immerhin ist die Tendenz steigend. Gab es in den Gründerjahren einen "feuchten Händedruck" und Pokale, so wurden für die Jubiläumsauflage immerhin 500 000 DM Preisgeld ausgelobt.

Die vier ausrichtenden Skiclubs investieren ihre Gewinne in die Nachwuchsförderung. Außerdem flossen in den vergangenen Jahren etliche Mill. DM in Umbauten und Modernisierung der Schanzen. Eine wichtige Einnahmequelle für die Veranstalter sind die Eintrittsgelder, die komplett bei den Skiclubs bleiben. "Davon finanzieren wir maßgeblich unsere drei hauptamtlichen und 22 Honorar- Trainer im Verein sowie die Wettkampfkosten für unsere Aktiven, vor allem im Nachwuchs", erläutert Tournee-Präsident Hans Ostler aus Partenkirchen. Er war wie weitere neun Ehrenamtliche aus den Veranstalter-Orten bei allen 50 Tournee-Jahrgängen aktiv dabei.

Mehr als die Vereine profitieren jedoch der Internationale Skiverband FIS sowie der Deutsche und der Österreichische Skiverband (DSV und ÖSV). Sie kassieren den Erlös aus dem Verkauf der Fernsehrechte. "Wir können damit leben, auch wenn die Verbände mehr als wir einnehmen. Wir haben dafür den zwar teuren, aber exklusiven weltweiten Termin-Schutz und die einzigartige Werbung für den Fremdenverkehr in unseren Orten, denn bisher ist noch kein Tournee- Springen ausgefallen", meint Ostler.

Ein besonders guten Schnitt bei der Vermarktung machte der DSV. RLT zahlt für die Rechte an allen deutschen Skiveranstaltungen vom 1. Januar 2003 bis zum 31. Dezember 2007 insgesamt 140 Mill. DM. Ein Kernstück der Veranstaltungen ist natürlich die Tournee. Seit dem Vorjahr haben die Kölner dem DSV jährlich rund 18 Mill. DM überwiesen.

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