Skispringer starten am Wochenende in Saison
Vor jedem Sprung ein Gläschen Kombucha

In der Sommersaison 2002 waren die deutschen Athleten entweder verletzt oder sie sprangen hinterher. Sven Hannawalds Trainer Steiert stapelt daher für die ersten Springen tief, Martin Schmitt muss gar noch pausieren. Die Vermarktung der Beiden läuft hingegen sehr gut.

MAINZ. Sven Hannawald isst und backt für sein Leben gern Kuchen. Käsekuchen wollte er schon immer mal machen. Dies jedenfalls - und das Rezept gleich mit - verrät er auf seiner Homepage im Internet. Klickt der interessierte Surfer ein kleines Fläschchen an, kann er dem Computer ein weiteres "Erfolgsrezept" des Wahl-Hinterzarteners entlocken: "Chiang Mai Kombucha" ist ein Wellness-Getränk und zugleich Werbepartner Hannawalds. Auch Martin Schmitt, zweiter Hoffnungsträger der deutschen Skispringer, hat in Sachen Marketing auf seiner Internet-Seite einiges zu bieten. Die Liste der Milka-Artikel, die man im Lila-Laden erwerben kann, beeindruckt. Kein Zweifel, die Asse unter den deutschen Skispringern wissen sich gut zu vermarkten. Die beiden Schneekönige zählen mittlerweile zu den Spitzenverdienern der Sportbranche. Kein Wunder, schließlich ist Skispringen die populärste Wintersportart. Nach einer Umfrage der Agentur "Sport+Markt" interessieren sich 65 Prozent der Fernsehzuschauer für die Disziplin.

Auch wenn die sportliche Vita der Beiden ähnlich eindrucksvoll wie das Angebot im Lila-Laden ist: Vor dem Start in die neue Saison amWochenende im finnischen Kuusamo könnte es sportlich besser laufen. Vor allem auf Sven Hannawald liegt ein hoher Erwartungsdruck. Der Teenie-Schwarm hatte vergangene Saison Einzigartiges geschafft: den Triumph auf allen vier Bakken der Vierschanzentournee. Dieser Erfolg nährt die Hoffnung der Fans und Medien auf weitere Siege, das schlechte Abschneiden der Deutschen im Sommer-Grand-Prix erhöhte den Druck weiter. Schmitt und Hannawald fehlten verletzungsbedingt. Bundestrainer Reinhard Heß zog seinerzeit eine düstere Bilanz: Kein weiterer Athlet im Team habe Verantwortung und Führung übernehmen können.

Hannawald aber scheint dem Druck gewachsen zu sein. Nach Knieoperation, Rekonvaleszenz und Aktivurlaub in der Türkei hat der 28-Jährige als Karriereende Olympia 2006 in Turin angegeben und will diese Saison voll angreifen. Sein Trainer Wolfgang Steiert bremst allerdings: "Man darf nicht zu hohe Erwartungen haben." Eine Meniskusoperation sei keine Kleinigkeit und trotz der Fortschritte sei ein Trainingsrückstand zwangsläufig. Als Saisonziel nennt Steiert eine "insgesamt starke deutsche Mannschaft". Hannawald solle die Sache ruhig angehen und "erst mal versuchen, unter die ersten Acht zu springen".

Gut ausgerüstet scheint Hannawald in jedem Fall zu sein. Mit der Firma Sonax, einem Hersteller für Fahrzeugpflegeprodukte, wurde ein Werbevertrag bis 2004 geschlossen, zudem gab es neue Ski und einen neuen Helm. Die Wahl des richtigen Materials ist aber nicht nur eine Sache der Vorbereitung. Hier seien, so Trainer Steiert, die ersten Wettkämpfe entscheidend. Mit der Ausrüstung sei man insgesamt zufrieden, obgleich Hannawald im Moment seine alten Bretter bevorzuge.

Ex-Olympiasieger Jens Weissflog ist schon jetzt optimistisch. Speziell Hannawald werde die Erwartungen erfüllen: "Sven wird nach den Erfolgen des letzten Jahres anders an die Vierschanzentournee herangehen, aber er kann mit dem Druck umgehen." Die Konkurrenz ist nach wie vor groß, vor allem der Österreicher Andreas Widhölzl dominierte im Sommer. Hinzu kommen die üblichen Verdächtigen. Weissflog nennt den Polen "Adam Malysz, Janne Ahonen, Matti Hautamäki sowie Clint Jones aus den USA".

Martin Schmitt wird der Konkurrenz zum Saisonauftakt noch nicht davonfliegen können. Laut Steiert ist die Entscheidung, wann der mehrmalige Weltmeister in den Weltcup eingreifen kann, noch nicht gefallen. Man hoffe aber, dass Schmitt Mitte Dezember in Titisee-Neustadt springen kann. Doch für den 24-Jährigen scheint diesen Winter die Vierschanzentournee absolute Priorität zu haben. Auch wenn Schmitt erst später um Weltcup- Punkte kämpfen kann als Hannawald, so sind doch deutliche Parallelen zu erkennen: Auch er ist hochmotiviert, gut ausgerüstet und scheint in besserer Verfassung zu sein als angenommen. Auch mit ihm ist zu rechnen.

Unsicher ist die Situation bei den übrigen Springern. Christof Duffner muss die Folgen seines Oberarmbruches verkraften; Jungstar Stephan Hocke wurde durch einen Bänderriss im Sprunggelenk ebenfalls zurückgeworfen. Steiert hofft für die Zukunft auch auf Michael Uhrmann.

Klar ist aber, dass in erster Linie von Hannawald und Schmitt die großen Weiten erwartet werden. Hauptsächlich ihretwegen sind die Springen in Willingen und Oberstdorf seit Monaten ausverkauft. Die Prognose für die deutschen Adler ist positiver als noch im Sommer befürchtet. Vielleicht machte Bundestrainer Heß deshalb einen so entspannten Eindruck, als er vor einer Woche in Suhl aus seiner gerade erschienenen Autobiographie "Mehr als ein Job" vorlas. Ein Motto, das auch für seine Schützlinge gilt.

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