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Skulpturen von Günter Grass in Göttingen

Göttingen (dpa) - Ein bronzener Arm ragt aus dem Pflaster vor dem Eingang zur Göttinger Paulinerkirche, die sehnige Hand hält einen Fisch fest umklammert - einen Butt. Die rund zwei Meter hohe Figur weist den Weg zur Skulpturen-Ausstellung von Günter Grass.

Göttingen (dpa) - Ein bronzener Arm ragt aus dem Pflaster vor dem Eingang zur Göttinger Paulinerkirche, die sehnige Hand hält einen Fisch fest umklammert - einen Butt. Die rund zwei Meter hohe Figur weist den Weg zur Skulpturen-Ausstellung von Günter Grass.

Das bildhauerische Werk des Literatur-Nobelpreisträgers wird in Göttingen erstmals umfassend präsentiert. Auf 600 Quadratmetern zeigt die Schau mehr als 100 Arbeiten aus Bronze und Terrakotta, dazu etwa 70 Zeichnungen, Radierungen, Aquarelle.

«Viele Skulpturen sind im Zusammenhang mit bestimmten literarischen Arbeiten entstanden, es gibt deshalb eine Wechselbeziehung zwischen meinen verschiedenen Kunstformen», sagt Grass. Jede Figur stehe aber auch selbstständig für sich.

Den Butt aus Bronze in verschiedenen Formen und Größen trifft der Besucher in der Ausstellung immer wieder, ebenso die «Rättin». Auch Phantasiewesen hat Grass geformt. Den bronzenen «Sängerinnen» wachsen Schnäbel, Krallen und Flossen aus den Frauenkörpern.

«Das Nebeneinander von Literatur, Bildhauerei und Malerei war für mich immer selbstverständlich», sagt der Künstler und Schriftsteller. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges absolvierte er eine Lehre zum Steinmetz und zum Steinbildhauer. Er studierte Grafik und Bildhauerei, wurde dann aber vor allem als Schriftsteller bekannt.

Auch mitten in einer Arbeit wechselt Grass schon mal das Handwerkszeug. Stockt das Manuskript für einen Roman, kann eine Zeichnung den Gedankenfluss anregen. Die Skizzen wiederum «machen sich später selbstständig» oder dienen als Vorlage für Figuren aus Bronze oder Terrakotta.

Die Bildhauerei hat Grass gelehrt, stehend zu arbeiten. Bis heute tippt er seine Manuskripte am Stehpult in die Maschine. Auch dass er die Dinge von allen Seiten betrachte, sie «fassbar und ertastbar» machen wolle, verdanke er seiner bildhauerischen Grundausbildung.

Schreiben, Zeichnen und bildnerisches Schaffen sind Günter Grass gleichermaßen wichtig. Nichts davon mag er in Zukunft aufgeben. Was er denn täte, wenn die böse Fee käme und ihn vor die Wahl zwischen den Kunstformen stellte? «Mit der Fee flirten und sie zum Verzicht auf ihr Ultimatum drängen» - Die Ausstellung läuft bis zum 19. September. Die Öffnungszeiten sind dienstags bis sonntags von 11 bis 18 Uhr.

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