Slaven Bilic hat sie alle auf seiner Seite
„Wir sind die besseren Türken!“

Drei Spiele, drei Siege, und dabei auch den WM-Dritten und Turniermitfavoriten Deutschland vernascht: Kroatien schwimmt auf der Erfolgswelle. Dafür ganz wesentlich verantwortlich ist Slaven Bilic, der bereits jetzt als die Trainer-Entdeckung dieser EM gilt. Am Freitagabend muss er im zweiten Viertelfinale gegen die Türkei zeigen, ob zu Recht.

BASEL. Seit Donnerstag sind die Chancen der Türken auf einen Sieg dramatisch gesunken. Slaven Bilic, Trainer der Gegner aus Kroatien, hat den Schlüsselspieler der Türken, Nihat, für dessen feine Schusstechnik gelobt. Der kleine Osmane mit den markant abstehenden Ohren sei generell ein feiner Fußballer, dem es neben der Schusstechnik auch an Organisationstalent und Kunstfertigkeit nicht mangele. „Nihat ist ein großer Spieler“, lobte Bilic. „Vor seinen Fähigkeiten haben wir großen Respekt.“ Dann sagte er: „Wir wissen aber, wie wir gegen ihn spielen müssen.“

Jetzt könnten die Türken eigentlich die Koffer packen und Wien verlassen. Sie müssen dafür nur so unbedarft und übermütig in das Viertelfinalspiel gehen wie die Deutschen in ihr zweites Gruppenspiel. Überroll-Taktik wie im ersten Spiel gegen Polen? Bilic staunte nicht schlecht, ob der Annahme der Deutschen, er, der Ex-Abwehrmann vom Karlsruher SC, würde ihre Strategie nicht durchschauen. Er verrückte seine Defensivreihen einfach um zehn Meter nach hinten, lockte Ballack aus der Verteidigung, Frings auf die Außenbahn und ließ den quirligen Srna auf Marcell Jansen los. Nach 24 Minuten stand es 1:0, nach 62 Minuten 2:0. Die deutsche Elf ist seitdem nicht mehr wieder zu erkennen.

Den Kroaten hat es hingegen jenen Sieg gebracht, den jede Mannschaft bei einem Turnier braucht. Die Deutschen hatten bei der WM 2006 ihr Polen-Spiel, und die Kroaten nun ihres gegen den WM-Dritten. Bilic hatte vor dem Turnier gesagt, jede Mannschaft könne Europameister werden, nach dem zweiten Spieltag fügte er hinzu, „bis auf die Schweizer“. Gestern sagte er: „Wir können den Titel gewinnen.“

Vermutlich werden die Türken jedoch gewarnt sein. Nicht einmal am Bosporus und schon gar nicht den Spähern von Trainer Fatih Terim wird entgangen sein, dass eine Elf mit solch einem Trainer zu allem fähig ist. Vor allem aber, weil sie, was den fröhlichen Irrsinn von Verwegenheit, Eifer und glühendem Patriotismus anbetrifft, den Türken in nichts nachsteht. Die Balgerei im Vorfeld der Partie, die Nihat entfacht hat durch seine Aussage, die Kroaten seien „läuferisch, spielerisch und kämpferisch unterlegen“, ist in vollem Gange und Bilic wird einen Teufel tun, die Glut zu löschen. Herrlicher kein Spiel, wenn es zuvor nicht richtig knistert. Und die Kroaten haben es gern schön heiß.

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