Slowakische Entscheidung verändert paneuropäischen Erdgasmarkt
Ruhrgas-Einstieg bei SPP setzt RWE unter Druck

Ruhrgas schlägt zu. Im paneuropäischen Konsortium mit seinem Partner, dem russischen Gasexporteur Gazprom, und dem französischen Erdgasriesen Gaz des France erhalten die Essener 49% am slowakischen Erdgasmonopolisten SPP. Damit sitzt Ruhrgas am Hahn der Erdgas-Hauptschlagader zwischen Ost- und Westeuropa - und bedroht die Marktstellung der RWE Gas.

jow PRAG. Der slowakische Premier Mikulas Dzurinda - schmächtig in Gestalt, doch freundlich im Wesen - musste ein Machtwort sprechen: Am Donnerstag stimmte fast sein ganzes Kabinett dem Teilverkauf des bisher staatlichen Erdgasmonopolisten SPP AS zu. Nach wochenlangem Zittern erhält jetzt ein europäisches Konsortium bestehend aus der Essener Ruhrgas AG, der russisschen RAO Gazprom und der französischen Gaz de France SA einen Anteil von 49 % an SPP für rund 2,7 Mrd. Dollar. Gegen den Verkauf stimmte nur einer: der Sozialistenführer und Agrarminister Pavol Koncos.

Was für Ruhrgas zunächst aussehen mag wie ein kleiner Fisch, entpuppt sich bei näherer Analyse als großer Fang: Denn SPP ist das Nadelöhr im gesamteuropäischen Erdgastransit von Russland nach West- und Südeuropa. Mit einer Jahreskapazität von rund 90 Mrd. Kubikmetern schleusen die Slowaken rund 70 % der russischen Erdgasexporte nach West- und Südeuropa.

Im Westen der Slowakei - nördlich von Trnava - befindet sich der zurzeit wichtigste Erdgas-Verteiler Europas. Dort verzweigt sich die Erdgas-Hauptschlagader, die aus Russland über die Ukraine ankommt, in zwei zwei kleinere Pipelines. Die obere führt zur tschechischen Transgas AS, die zurzeit für 3,6 Mrd. Dollar inklusive der dortigen Erdgas-Regionalversorger vom Ruhrgas-Konkurrenten RWE Gas AG übernommen wird. Die untere führt zum Netz des österreichischen Raffineriekonzerns OMV.

Nun sind vor allem Konflikte zwischen Ruhrgas und der RWE Gas vorgezeichnet: Denn SPP/Ruhrgas unterhält bereits jetzt in Tschechien eine Erdgastochter namens SPP Bohemia - und kollidiert vor allem in den beiden Erdgasversorgern in Süd- und Ostmähren mit der RWE Gas AG. Andererseits war die RWE Gas unlängst mit der nun von Ruhrgas mit kontrollierten SPP in das wichtigste slowakische Erdgaslager Nafta Gbely eingestiegen. Zwischen RWE Gas und Ruhrgas stehen die Zeichen auf Krieg - oder Kompromiss.

Da das Erdgas indes von Ost nach West fließt und zuerst die Slowakei und danach Tschechien passiert, sitzen SPP und Ruhrgas am kürzen He-bel: Sie können RWE Gas jederzeit drohen, den Erdgastransit durch Tschechien zu drosseln - zu Gunsten Österreichs. Die Drohung ist keineswegs neu - doch nun wird sie real.

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