Small Caps
Amerikanische Aktien bringen den Gewinn

Der Bewertungsabschlag der kleinen US-Titel gegenüber den großen ist in den vergangenen drei Jahren schon abgeschmolzen.

Amerika ist international führend - auch bei den Nebenwerten. Wer die Fondstabellen vergleicht, stellt rasch fest: Während die meisten Nebenwertefonds, die sich auf Europa konzentrieren, in den vergangenen zwölf Monaten im Minus lagen, lieferte der amerikanische Markt beeindruckende Ergebnisse. Zwei Gründe sind dafür ausschlaggebend: Erstens schlägt auf die Rechnung in Euro der starke Dollar durch. Außerdem gab es in den USA einen regelrechten Nebenwerteboom. Der Index Russel 2000 bildet US-Nebenwerte ab, der S & P 500 ist stärker auf große Aktien konzentriert, allerdings mit 500 Werten immer noch sehr breit aufgestellt.

Judy Vale, Fondsmanagerin des Parvest US Small Cap Fonds, weist noch auf einen besonderen Effekt hin: Nach dem Zusammenbruch des US-Energieriesen Enron hätten sich Small Caps (Nebenwerte) "mit gesunden Cash-Flows" besser gehalten als ihre "großen Brüder", die zum Teil viel stärker wegen ihrer aggressiven Bilanzierungspraktiken in die Kritik geraten seien. Im März waren nach ihrer Darstellung kleine Wachstumstitel besonders stark - "eine Ausnahme innerhalb der letzten 20 Monate", fügt sie hinzu.

Wohin sich der Dollar künftig weiterentwickelt, ist kaum abzuschätzen. In dieser Woche erreichte er gegenüber dem Euro ein Drei-Monatstief, was jedoch keine anhaltende Schwäche bedeuten muss. Die Währung lässt sich aber künftig nicht als zusätzliche Ertragsquelle einkalkulieren. Wichtig: Währungsschwankungen schlagen unabhängig von der Fondswährung auf das Ergebnis durch.

Wird der Nebenwerteboom anhalten?

Aber wird der amerikanische Nebenwerteboom anhalten? Die Frage ist auch schwer zu beantworten, denn die Experten für diesen Markt haben eigenes Interesse, Optimismus zu verbreiten. Doch an Argumenten mangelt es nicht: In den 90ern seien die Small Caps zwar schwächer gewesen, sagt etwa Rob Mohn, der Manager des Wanger Smaller Companies Fund. In der laufenden Dekade sei aber der gegenläufige Trend spürbar: Vor drei Jahren seien sie gegenüber großen Aktien rund 40 Prozent unterbewertet gewesen, heute gebe es nur noch einen Abschlag von 20 Prozent.

Optimistisch ist auch Ken Chiang, der Manager des ML Global Small Cap Portfolio von Merrill Lynch. Nebenwerte seien besonders stark von Konjunkturzyklen abhängig, sagt er. Außerdem seien diese Titel im Frühjahr 2000 und nach den Terrorattacken im vergangenen September zu stark verkauft worden - dieser Trend habe sich dann umgekehrt. "Ich denke, das setzt sich fort, wenn sich weltweit die Wirtschaft erholt", setzt er hinzu. Er hält besonders Aktien, die vom Konsum profitieren, für attraktiv und nennt als Beispiele den Einzelhandel, aber auch Reisebüros, Hotels, Fluglinien und "Las-Vegas-Casinos".

Chiangs Fonds führt die Rangliste der weltweit anlegenden Nebenwertefonds über drei Jahre an, wobei er besonders gut im Boomjahr 1999 verdient hat; im Jahr 2001 rutschte er ins Minus. Ganz anders lief es beim Coba MAM-Clients Small Cap Value Fund: Er war 1999 schwach, aber in den letzten beiden Jahren stark. Die US-Gesellschaft Martingale, die den Commerzbank-Fonds als "Berater" managt, verfolgt einen auf Kennzahlen basierten Ansatz, bei dem systematisch niedrig bewertete Werte herausgesucht werden - zum Beispiel Finanztitel. Eine weitere Besonderheit: Obgleich der Fonds international anlegen kann und dies in der Vergangenheit auch getan hat, ist er zurzeit ein reiner US-Fonds.

Die Tabelle der US-Nebenwertefonds wird auch von einem Merrill-Lynch-Fonds angeführt, dem ML US Small Cap Value portfolio. Fondsmanagerin Elise Baum erwirbt am liebsten Aktien, die nahe ihres historischen Tiefs notieren; ein großer Anteil entfällt zurzeit auf Informationstechnologie. Auffällig bei diesem Fonds ist die gleichmäßig hohe Wertentwicklung: In Dollar gerechnet legte er in den drei Jahren von 1999 bis 2001 nacheinander 75 Prozent, 13 Prozent und 28 Prozent zu.

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