Small und Mid Caps profitieren
Neusegmentierung des Aktienmarktes bringt Anlegern Vorteile

Der deutsche Aktienmarkt wird neu geordnet. Doch welche Auswirkungen hat diese Neusegmentierung auf deutsche Small und Mid Caps? Verschwinden die kleinen und mittleren Unternehmen damit aus dem Fokus der Anleger? Sicherlich sind noch einige Fragen bis zur endgültigen Umsetzung des neuen Indexkonzeptes offen. Doch eines wird schon jetzt klar: Die neue Segmentierung trägt zu einer klareren Struktur und damit zu einer höheren Attraktivität der deutschen Small und Mid Caps, also der Aktien kleiner und mittelgroßer Unternehmen, als Anlagealternative bei.

Private wie institutionelle Anleger werden sich ab dem nächsten Jahr auf ein verändertes Anlageuniversum einstellen müssen. Die Deutsche Börse will künftig nur noch zwei Aktienmarktsegmente mit unterschiedlichen Transparenzstandards anbieten: ein "Prime Segment" mit hohen, international üblichen Publizitätspflichten und ein "General Segment" für eher national ausgerichtete Unternehmen, welche die gesetzlichen Mindestanforderungen erfüllen.

Die Handelssegmente Smax und Neuer Markt sollen in dieser neuen Segmentierung aufgehen. Innerhalb des Prime Segments wird es weiterhin den Dax für die 30 größten Unternehmen geben. Für die Small und Mid Cap-Unternehmen unterhalb des Dax wird ein Indexkonzept eingeführt, das nach klassischen Branchen (MDax und SDax) und nach Technologie-Branchen (TecDax, Nemax 50) unterscheidet.

Die neuen Auswahl- und Branchenindizes sowie deren Zusammensetzung wird bei den betroffenen Unternehmen naturgemäß unterschiedliche Reaktionen hervorrufen. Insbesondere diejenigen Unternehmen, die sich bisher in einem Auswahlindex befanden und zukünftig nicht mehr dort vertreten sind, werden sich in ihrer Investor Relations-Arbeit umstellen müssen. Umstellen müssen sich auch die Anleger - vor allem dann, wenn sie mit ihren Portfolios einen entsprechenden Index nachbilden. Für private oder institutionelle Anleger, die "Stock Picker" sind, also keinen Index nachbilden, sondern die Aktien auf Basis eines konsequenten Bottom-up-Ansatzes für ihre Portfolios auswählen, ändert sich hingegen wenig. Sie werden ihre Investmentphilosophie und den bestehenden Investmentprozess unverändert beibehalten. Anpassungsbedarf ergibt sich lediglich bei der adäquaten Bezeichnung der angebotenen Produkte sowie bei der Wahl der geeigneten Vergleichsindizes.

Das neue Konzept passt sich aber auch dem Verhalten der Anleger an. Denn die geplante Trennung in klassische Branchen einerseits und in Technologiebranchen andererseits gleicht einer Aufteilung in Value und Growth. Diese ist vielen Anlegern seit längerem bekannt.

Die Neuordnung der Börsensegmente hat weitere Vorteile für Anleger. Die klare Zweiteilung erleichtert Investoren den Überblick und machen den deutschen Aktienmarkt insbesondere auch für ausländische Anleger attraktiver. Durch das Inkrafttreten des vierten Finanzmarktförderungsgesetzes werden darüber hinaus alle Marktsegmente auf eine einheitliche öffentlich- rechtliche Basis gestellt, die das konsequente Durchsetzen von Sanktionen ermöglicht. Vor allem die ehemaligen Neue-Markt-Unternehmen erfahren dadurch eine Aufwertung und stehen zukünftig unterhalb des Dax gleichberechtigt neben den klassischen Indizes MDax und SDax. Der TecDax, der die 30 größten Technologiewerte abbilden wird, sowie der Nemax 50, der als Auswahlindex der 50 größten Technologieunternehmen bis 2004 erhalten bleiben soll, wird dadurch erstmals zum Aufsteigersegment für den Dax.

Wie sieht die Zukunft des Neuen Marktes nach der Neusegmentierung aus? Auch wenn der Name verschwindet, lebt die Idee einer Technologieplattform für junge innovative Unternehmen in der neuen Indexwelt weiter. Diese ursprüngliche Idee des Neuen Marktes kann auf Basis des neuen Konzepts sogar klarer umgesetzt werden. Denn die Zuordnung zum Technologiesektor erfolgt künftig nach dem Geschäftsmodell eines Unternehmens und nicht mehr nur nach seinen Wachstumsaussichten. Damit behebt die Deutsche Börse einen "Geburtsfehler" des Neuen Marktes, der in der Vergangenheit häufig dazu verführt hat, Zahlen und Bewertungen von Börsenkandidaten in die Höhe zu treiben.

Ist der Smax, das ehemalige Qualitätssegment für kleine und mittelständische Unternehmen, nach der Neuordnung am Ende? Dass der Smax in seiner bisherigen Form nicht fortbestehen würde, haben bereits die Segmentaustritte von Smax-Unternehmen vor der jetzt geplanten Neusegmentierung deutlich gemacht. Eine Reihe der Unternehmen hatte das Segment in den letzten Monaten mit dem Argument verlassen, dass für sie nationale und damit kostengünstigere Zulassungs- und Berichtsstandards ausreichend sind. Insofern ist die jetzige Trennung in einen "Prime Standard" und einen "General Standard" nur konsequent. Kleine und mittlere Qualitätsunternehmen finden sich nach wie vor an der Börse - nur ab sofort in zwei unterschiedlichen Segmenten.

Und mehr noch: Die Eigenmittelfinanzierung kleiner und mittlerer Unternehmen gewinnt vor dem Hintergrund der verstärkt restriktiven Kreditvergabe der Banken zunehmend an Bedeutung. Dies zeigen auch die Konzepte zur Mittelstandsfinanzierung, die aktuell vom BVI Bundesverband deutscher Investment- und Vermögensverwaltungsgesellschaften bzw. dem BGA Bundesverband des Groß- und Außenhandels entwickelt werden, um kleine und mittlere Unternehmen stärker in den Fokus der Investoren zu rücken. In diesem Zusammenhang ist es wünschenswert, dass die Deutsche Börse diese zentrale Bedeutung als Finanzierungsquelle auch im "General Segment" deutlich macht, das bisher eher als besseres "Auffangbecken" des Prime Segments charakterisiert wird. Hier sind beispielsweise ein angemessener Name sowie ein sinnvoll konstruierter Auswahlindex wünschenswert.

Auch im General Segment finden sich interessante Unternehmen, wie beispielsweise Porsche oder WMF, in die es sich zu investieren lohnt. Dennoch deutet sich bereits heute an, dass die Research-Abdeckung der Investmenthäuser für die dort gelisteten Werte weiter abnehmen wird. Dieser Mangel an Informationen bietet Investoren jedoch auch die Chance, interessante Aktien zu finden, bevor diese von anderen Marktteilnehmern entdeckt werden.

Deutsche Standardwerte hingegen werden meist von mehr als 50 nationalen und internationalen Analysten eng verfolgt, so dass die Chance, durch Zeit- und Informationsvorsprünge überdurchschnittliche Renditen zu erzielen, dort relativ gering ist. Diesen "Stock Picking- Effekt" der Small und Mid Caps belegen mehrere Studien. Nach einer Untersuchung von McKinsey liegt die aktive Fünf-Jahresrendite amerikanischer Large Caps durchschnittlich mehr als 4 % unter ihrer Benchmark, während die der europäischen Small und Mid Caps rund 6 % oberhalb ihres Vergleichsindex liegt.

Was spricht außerdem für ein Investment in Small und Mid Caps? Die Aktien kleiner und mittlerer Unternehmen haben sich in der anhaltenden Baisse deutlich stabiler entwickelt als die Standardwerte. Während der Dax seit Anfang 2001 mehr als 50 % an Wert verloren hat, weist beispielsweise der MDax lediglich ein Minus von 34 % auf . Von einer möglichen Erholung an den Aktienmärkten werden aus Liquiditätsgründen zwar zunächst die großen Werte profitieren. Da Small und Mid Caps gegenüber Large Caps jedoch nach wie vor einen Bewertungsabschlag von zwei bis drei Punkten im Kurs- Gewinn-Verhältnis haben, besitzen sie mittelfristig ein höheres Kurspotenzial.

Darüber hinaus weisen Small und Mid Caps positive Diversifikationseffekte zu anderen Aktienanlagen auf, da sie mit diesen verhältnismäßig gering korreliert sind. Beispielsweise liegt der Korrelationskoeffizient europäischer Small/Mid Caps und europäischen Large Caps für die vergangenen fünf Jahre bei nur 0,75. In Deutschland liegt die vergleichbare Korrelation zwischen Smax und Dax sogar bei nur 0,5.

Als Spezialist für Small und Mid Caps begrüßen wir die geplante Neusegmentierung des deutschen Aktienmarktes. Deren Attraktivität als Anlagealternative wird durch das neue Index- und Branchenkonzept noch unterstrichen. Es trägt zu einer klareren Struktur der kleinen und mittleren Unternehmen an der Börse bei und orientiert sich stärker am Investitionsverhalten der Anleger. Gleichzeitig eröffnet die Neusegmentierung Anbietern von Nebenwertefonds neue Stock-Picking- Chancen, von denen Fondsanleger profitieren werden.

Karl Fickel, Partner Lupus alpha Asset Management GmbH, Frankfurt/M.

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