Small- und Mid Caps sind nicht generell risikoreich
Glaubensfrage zwischen groß und klein

Weil Aktien kleiner und mittlerer Unternehmen zuletzt weniger verloren haben als die der großen Gesellschaften, ist unter den Experten ein Glaubenskrieg über die bessere Wahl entbrannt. Eine generelle Antwort gibt es weiterhin nicht. Entscheidend für den Anleger ist, wie er die künftige Lage an der Börse sieht.

FRANKFURT/M. Spricht es bereits für Aktien von Unternehmen mit kleinerer und mittlerer Marktkapitalisierung, wenn die großen europäischen Werte in den vergangenen zweieinhalb Jahren im Schnitt mehr als ein Drittel an Wert verloren haben, die kleinen Werte jedoch "nur" knapp 17 %? Inzwischen herrscht unter Fondsmanager und Analysten so etwas wie ein Glaubenskrieg zu diesem Thema. Vieles davon ist eine Frage künftiger Erwartungen, weshalb eine generelle Antwort nicht möglich ist.

Selbst auf die Frage, bei welcher Größenordnung es sich um einen Small- und einen Mid Cap handelt, gibt es keine eindeutige Antwort. Meist rechnen die Experten Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung bis zu 1 Mrd. Euro zu den Small Caps, bis zur Grenze von 2,5 Mrd. Euro handelt es sich um Mid Caps.

Unstrittig ist allerdings, dass der Small- und Mid Cap-Bereich in der Vergangenheit weniger gelitten hat, wenngleich es nach einer zeitlichen Verzögerung von fast einem Jahr nun auch hier zu Abschlägen gekommen ist. Udo Rosendahl, bei der Fondsgesellschaft DWS für europäische Large Caps zuständig, sieht deshalb auch gerade bei den großen Unternehmen wegen der starken Kursrückgänge wieder attraktive Niveaus erreicht. Hinzu kommt ein weiteres Argument: "Die Anleger sind im Moment gerade bei Aktien sehr risikoavers. Hier hilft, dass Large Caps derzeit Dividendenrenditen zwischen 2 % und 4 % aufweisen", sagte er bei einer Diskussion der Fondsgesellschaft Lupus Alpha zu diesem Thema. Wegen der zeitlichen Verzögerung bereits im Abschwung rechnet er nun damit, dass auch in einer Aufschwungphase die großen Werte stärker profitieren werden als kleinere Aktien.

Dem hält Josef Schopf, Fondsmanager von Lupus Alpha, entgegen, dass es nach wie vor einen Bewertungsabschlag von drei bis vier Punkten beim Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) zwischen den kleinen und den großen Werten gebe. In dieser Rechnung sind aber konsequent die Werte der "New Economy" ausgenommen. Die schnitten zuletzt noch schlechter als die großen europäischen Werte ab.

"In den nächsten 12 bis 18, vielleicht sogar 24 Monaten werden Small Caps nicht schlechter als Large Caps laufen", ist sich Schopf sicher. Vom Argument, dass ein Aktieninvestment in kleinen oder mittleren Werten generell riskanter als in großen Werten ist, hält er nichts. Entscheidend sei das Stock Picking. "Mit der richtigen Aktienauswahl kann man hier besser abschneiden als bei großen Werten", so Schopf.

Auf zwei Indizes stützt er dabei im wesentlichen seine Auswahl. Da ist auf der einen Seite der Dow Jones Euro Stoxx TM Small mit 262 Unternehmen und einer Marktkapitalisierung von 210 Mrd. Euro. Auf der anderen Seite steht der HSBC Smaller Euroland mit etwa 800 Gesellschaften und 244 Mrd. Euro Marktkapitalisierung. Wer beispielsweise auf die Aktie des fränkischen Sportartikel-Herstellers Puma gesetzt hat, der kann sich über einen satten Gewinn freuen (Tabelle). Aber auch auf der Verliererseite ragen deutsche Aktien im europäischen Umfeld heraus. Der Münchener Medienwert Internationalmedia (IM) führt bei Dow Jones die Verliererliste an. Eine Tendenz, die sich künftig fortsetzen könnte: IM schockte am Freitag mit einer erneuten Gewinnwarnung. Für Puma ist Schopf wie viele Analysten weiterhin positiv eingestellt. Die Frage sei, ob man das Wiedererstarken der Traditionsmarke für einen Modetrend hält oder dahinter ein langfristig angelegtes Konzept sieht, so Schopf. Er sei Anhänger der zweiten Theorie.

Geht es um die Chancen der einzelnen Branchen im Small- und Mid Cap-Bereich, so halten die Experten von Dresdner Kleinwort Wasserstein (DKW) vor allem den Maschinenbau- und Technologiesektor für attraktiv bewertet. Hingegen bewerten sie die Bereich Auto, Software, Transport und Logistik sowie Versorgung als teuer. Sie erwarten generell auch weiterhin eine relative Stärke kleiner und mittlerer Aktie gegenüber der großen Konkurrenz. Grundlage dafür ist für sie aber das Potenzial, das ein volatiler Markt bietet. Sollte es zu einem wirtschaftlichen Aufschwung kommen, raten jedoch auch die DKW-Experten wieder verstärkt zu Large Caps.

Strategen neigen deshalb auch nicht zu einer generellen Aussage zu kleinen oder zu großen Werten. Ihre Top-Empfehlungen sind eine Mischung aus Dax, MDax und Neuer Markt. Kali + Salz sind ebenso dabei wie Buderus, IWKA, MAN, Leoni und Singulus. Sogar für die leidgeprüften Anleger am Neuen Markt haben sie einen gewissen Trost: Sie sehen dort - allerdings frühestens - 2003 eine Trendwende. Zum einen hätten sich die Geschäftsmodelle an die veränderten Gegebenheiten angepasst, zum anderen sei bis dahin die Gewinnseite transparenter.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%