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Smoking für den guten Zweck

Abends sieht man in New York öfter als anderswo Herren in schwarzen Smokings und Damen in Abendgarderobe durch Hotel-Foyers huschen. Die meisten so Gekleideten sind nicht etwa unterwegs zu einem Klassikkonzert in der berühmten Carnegie-Hall.

Abends sieht man in New York öfter als anderswo Herren in schwarzen Smokings und Damen in Abendgarderobe durch Hotel-Foyers huschen.

Die meisten so Gekleideten sind nicht etwa unterwegs zu einem Klassikkonzert in der berühmten Carnegie-Hall. Dort hat sich die Kleiderordnung längst gelockert. Smoking-Zwang herrscht dagegen bei den Empfängen und Bällen Dutzender Wohltätigkeitsorganisationen, die alljährlich ihre Preise verleihen.

Das wichtigste an solchen Abenden sind nicht die schwungvollen Reden und hochtrabenden Auszeichnungen, sondern die harten Dollars, die in den Kassen der Veranstalter klingeln. Je nach Ereignis kostet ein Sitzplatz zwischen und hundert und mehreren hundert Dollar pro Person.

Sponsoren ordern gleich ganze Tische, die sie mit guten Kunden, Geschäftspartnern und Journalisten besetzen, denen sie schmeicheln wollen.

An den meisten solcher Abende sind selbst die feierlich verliehenen Auszeichnungen käuflich. Zwar hängt kein deutlich sichtbares Preisschild an den gläsernen Trophäen, die diese Woche zum Beispiel der American Council on Germany verlieh, ein Förderer des transatlantischen Austauschs. Aber "Der Veranstalter erwartet, dass der Preisempfänger Spenden eintreibt - aus dem eigenen Unternehmen und bei Geschäftspartnern", verrät eine New Yorker Bankerin, die solche Abende seit vielen Jahren besucht und selbst organisiert.

Ohne diese Veranstaltungen käme das gesellschaftliche Treiben New Yorks zum Erliegen, und zahllose wohltätige Projekte kämen nie zustande. Denn viele Vereine finanzieren ihre Arbeit zum Großteil durch solch prunkvolle Abende, vom Verein der Haustierfreunde - zu dessen aktivsten Mitgliedern übrigens der inzwischen unehrenhaft entlassene Ex-Chef der New Yorker Börse, Richard Grasso, gehörte - über Hilfsvereine für diverse Krebs- und sonstige Krankheitsarten bis hin zu den Fördervereinen der vielen Theater und Museen der Stadt.

Sicher, solche Abende entsprechen nicht dem Idealbild reiner, uneigennütziger Nächstenliebe. Schließlich sponsorn viele Unternehmen die Bälle weniger um des guten Zwecks willen, sondern zur Imagepflege.

Doch das System funktioniert. Und was spricht dagegen, wenn die Reichen der Stadt sich gegenseitig feiern und dabei Millionen für weniger Privilegierte einsammeln?

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