SMS Pilotprojekt
Gewerkschaft der Polizei lässt es piepen

Wenn es bei fast 3 000 Bundesgrenzschützern zur gleichen Zeit piept, ist das auch in diesen Tagen kein Grund zur Besorgnis. Die Beamten haben lediglich in dem Moment Post von ihrer Gewerkschaft erhalten - per Handy. In einem bundesweiten Pilotprojekt testet die Gewerkschaft der Polizei (GdP) derzeit SMS zur Kommunikation mit ihren Mitgliedern - die ersten Erfahrungen mit den kurzen Text-Botschaften sind durchweg positiv.

dpa HILDEN. "Die Resonanz ist viel größer als bei anderen Medien", berichtet der Gewerkschaftsfunktionär Martin Schilff. Nach dem Niedergang der einst mächtigen Gewerkschaftspresse sollen die Text-Nachrichten mit ihren maximal 160 Zeichen den Kontakt zwischen Gewerkschaftsspitze und der Basis beleben. Über wichtige Neuigkeiten wie Tarifabschlüsse können die Mitglieder so unmittelbar informiert werden.

Da SMS (Short Message Service - Kurznachrichtendienst) schnell und einfach beantwortet werden können, nutzen die Gewerkschafter die Handy-Funktion sogar zu schnellen Meinungsumfragen, um die Stimmung an der Basis zu erkunden: "Ein geplantes neues Schichtdienst- Management stieß auf breite Ablehnung", berichtet Schilff. Auch die Meinungen zu einem neuen Ärmel-Abzeichen haben die Gewerkschafter schon "spontandemokratisch eingeholt.

Die Antwortquote von 70 % ist vergleichsweise hoch und lässt Meinungsforscher, die ihre Fragen per Post verschicken, vor Neid erblassen. Acht Pfennig pro SMS zahlt die Gewerkschaft, für die Mitglieder ist der Dienst kostenlos. Damit erreicht die GdP zwar nicht alle Mitglieder, aber: "90 Prozent der Kollegen haben ein Handy und täglich bestellen mehr den Dienst", sagt Schilff.

Bis zu den Großeinsätzen wegen der Castor-Transporte im November wollen nun auch die anderen GdP-Abteilungen ihre Mitglieder auf neudeutsch "ansimsen" können. Auch wenn die Netzbetreiber die Preise für SMS deutliche erhöhen wollen, werde der neue Dienst "auf jeden Fall fortgesetzt", sagt Schilff.

Eine dritte Umfrage ist schon geplant: "Es geht um die zusätzlichen Milliarden für die innere Sicherheit. Wir wollen von unseren Mitgliedern wissen, wie das Geld aus ihrer Sicht am besten verwendet werden sollte." In Zukunft soll die Mitgliedschaft in Zielgruppen unterteilt werden. Auf diese Weise könnten dann etwa nur die Vertrauensleute angefunkt werden.

Ob sich SMS als neue Kommunikationsform der Arbeitnehmerbewegung etabliert, ist allerdings noch unklar. Beim Deutschen Gewerkschaftsbund hatten die Öffentlichkeitsarbeiter von den neuen Wegen der Kollegen noch gar nichts mitbekommen.

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