SMS soll zum verlässlichen Unwetterboten werden
SMS bringt schnelle Wetter-News

Selten war das Wetter so unberechenbar wie in diesem Sommer. Viele Menschen trafen die heftigen Stürme und die Hochwasserkatastrophe völlig unvorbereitet. Einige Wetterdienste setzen jetzt auf das Handy, um rechtzeitig per SMS vor Unwettern zu warnen.

Reuters BERLIN. "In den Nachmittags- und Abendstunden einzelne Gewitter, dabei stärkere Niederschläge möglich. Sturmböen wenig wahrscheinlich" - diese Kurzmitteilung erhielten die bislang rund 100 Abonnenten des neuen SMS-Dienstes des privaten Berliner Anbieters MC Wetter am frühen Donnerstagabend. In weiten Teilen der Hauptstadt blieb es zwar trocken, doch im Süden am Wannsee gingen wenig später tatsächlich starke Regenfälle vermischt mit Hagel nieder.

MC Wetter nahm das seit Jahren schwerste Unwetter in Berlin und Brandenburg am 10. Juli zum Anlass, mit seinem neuen Service Anfang August auf den Markt zu gehen. Bei dem Gewittersturm mit Windstärke 12 waren mehrere Menschen ums Leben gekommen und ganze Straßenzüge verwüstet worden. Die Nachfrage nach schnellen Wetterinfos sei seither spürbar gestiegen, stellt MC Wetter-Vertriebsleiter Lutz Bertram fest: "Früher hat sich niemand so richtig für Wetterprognosen interessiert, weil Gewitter meist an der Havel hängen blieben - und jetzt ist das Geschrei groß."

Keine ausgeprägte Wetter-Sensibilität

In Deutschland hätten sich bislang nur Menschen ernsthaft mit dem Wetter auseinander gesetzt, die unmittelbar davon abhängig seien - Landwirte zum Beispiel, sagt Bertram. "Die Sensibilität ist hier nicht so groß wie in Großbritannien oder Skandinavien." Die Menschen schauten höchstens abends im Fernsehen den Wetterbericht für den nächsten Tag.

Das 20 Mitglieder zählende Team von MC Wetter erstellt hauptsächlich kundenspezifische Vorhersagen für Energiefirmen oder Versicherungen und bezieht die Rohdaten vom Deutschen Wetterdienst (DWD). Für ihre Expertisen ziehen sie zusätzlich historischen Daten sowie Radar- und Satellitenbilder heran.

Seinen SMS-Dienst bietet das Unternehmen zunächst nur in Berlin und Umgebung an. Er soll jedoch bundesweit ausgeweitet werden. Die Berliner Handy-Kunden wurden in den vergangenen drei Wochen etwa zehn Mal über aufkommende Gewitter in ihrer Gegend informiert. Dafür müssen sie pauschal 15 Euro für ein Dreimonatsabo oder 27 Euro für sechs Monate bezahlen. Feuerwehrleute und Mitglieder des Technischen Hilfswerks erhalten 25 Prozent Rabatt. Geordert wird der Dienst über die Website www.mc-wetter.de.

SMS statt ausgedienter Feuersirene

Sommer-Gewitter entstehen schnell und entladen sich meist örtlich eng begrenzt. Entsprechend genau müssen deshalb Unwetterwarnungen sein. Sie sollen die Bewohner bestimmter Regionen oder einzelner Stadtteile auf drohenden Starkregen, Hagel, Blitz und Sturm hinweisen. Seit Abschaffung der früher weithin hörbaren Sirenen der örtlichen Feuerwehren seien die Menschen nur noch schwer auf solche Gefahren aufmerksam zu machen, sagt

Auch das Fraunhofer für Software- und Systemtechnik-Institut (ISST) in Berlin probiert derzeit ein Wetter-Informationssystem aus, dessen Stärke in einer individuellen Benachrichtigung der Betroffenen liegt. Die Anwendung "Weather Information on Demand" (WIND) versorgt seit Anfang Mai rund 3000 Versicherungskunden mit persönlich abgestimmten Wetterdaten auf Handy, Fax, Pager oder als E-Mail. Auftraggeber des Projektes ist die Bayerische Versicherungskammer. Über eine Web-basierte Oberfläche meldet sich der Nutzer an. Die Beobachtungsregion legt er durch Angabe von Straße und Hausnummer, Postleitzahl oder des Landkreis an.

"Die Qualität des Dienstes liegt in den lokalen Informationen", sagt ISST-Diplominformatiker Stefan Jaksch. Das Erkennen aller wetterbedingten Veränderung am Himmel soll die Meteomedia AG von TV-Wetterprofi Jörg Kachelmann mit deren 421 Wetterstationen gewährleisten. Nach einem erfolgreichen Abschluss des Projektbetriebs im Herbst wollen die Betreiber auch diesen Dienst weiter vermarkten.

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