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So feiern Bundesliga-Profis Weihnachten

In der Bundesliga verdienen sie als Fußball-Gastarbeiter ihr Geld, doch zu Weihnachten zieht es die meisten von ihnen in die Heimat. Unabhängig vom Glauben ist der Heilige Abend für viele ein Tag der Freude und der Besinnung.

dpa HAMBURG. In der Bundesliga verdienen sie als Fußball-Gastarbeiter ihr Geld, doch zu Weihnachten zieht es die meisten von ihnen in die Heimat. Unabhängig vom Glauben ist der Heilige Abend für viele ein Tag der Freude und der Besinnung.

Wie zwischen Kumasi und Tiflis die Festtage verbracht werden, haben einige Profis der dpa erzählt:

Sammy Kuffour (FC Bayern München/Ghana):

Ich freue mich sehr auf Weihnachten, denn Weihnachten ist für mich das Fest der Familie. Ich fliege mit meiner Frau und den Kindern nach Hause. Im Haus meiner Eltern in Kumasi, der zweitgrößten Stadt Ghanas, treffen sich alle Geschwister, Onkel und Tanten. Insgesamt sind wir mehr als 40 Personen. Besonders freue ich mich auf meine Oma, die ist schon 97 Jahre alt. An Heiligabend gibt es ein großes Festmahl. Es gibt unser traditionelles Essen, Reis und Foufou, einen Maniokbrei, und dazu eine scharfe Soße und vor allem Hühnchen. Um Mitternacht werden wir alle gemeinsam beten und Gott um Frieden und Gesundheit bitten.

Der eigentliche Weihnachtstag ist bei uns der 25. Dezember. Da gibt es auch für alle Geschenke. Ich selbst habe keinen speziellen Wunsch. Ich möchte nur, dass meine Familie glücklich und gesund ist. Die Geschenke für meine Frau und die Kinder habe ich alle schon Anfang Dezember gekauft. Was es gibt, kann ich vorher natürlich noch nicht verraten. Ich freue mich auch auf die Zeit zwischen "Christmas Day" und Silvester. Da treffe ich mich immer mit meinen alten Freunden. Wir verbringen viel Zeit miteinander und haben jede Menge Spaß. Zu Silvester gibt es dann wieder ein großes Essen mit der Familie und gemeinsame Gebete um Mitternacht.

Roda Antar (SC Freiburg/Libanon/Sierra Leone):

Ich bin schon mehr als drei Jahre hier, Weihnachten aber habe ich noch nie in Deutschland gefeiert. Es ist sehr kalt. In der Winterpause bin ich immer in Sierra Leone, wo ich geboren bin. Ich bin ja halb Libanese und halb Afrikaner. Die ganze Großfamilie, Mama, Brüder, Cousins, alle kommen nach Freetown, in die Hauptstadt. Dort ist es warm, 30 bis 35 Grad, und ich bin fast jeden Tag am Strand. Was die Weihnachtsbräuche angeht, machen wir das gleiche wie in Europa. Bäume werden in Containern nach Afrika verschifft, damit die Leute sie dort kaufen können. Kerzen gibt es nicht so viele, aber es gibt farbige Lichter an den Weihnachtsbäumen.

Wir haben für Heiligabend für ungefähr 100 Leute eine Lodge direkt am Strand gemietet. Wir werden ganz viel Fisch essen. Geschenke nimmst du sowieso immer ganz viele mit. Nicht nur an Weihnachten. Das ist in Afrika so. Die Frauen, meine Mutter, Schwestern und Cousinen bekommen gutes Parfüm. Und für meine zwei kleinen Cousins nehme ich natürlich ein Trikot vom Sportclub mit ihren Namen drauf mit. Insgesamt packe ich ungefähr 20 bis 30 Trikots für meine Freunde ein.

Bis 24 Uhr feiern an Heiligabend alle mit den Angehörigen. Danach wollen sie es in der Familie ruhig haben, und wir jungen Leute gehen Party machen. Es gibt Bier und alle Getränke wie hier auch. Ich trinke allerdings keinen Alkohol.

Levan Kobiaschwili (FC Schalke 04/Georgien):

In meiner Heimat richten wir uns nach dem Kalender der georgisch- orthodoxen Kirche. Deswegen sind alle kirchlichen Feste gegenüber dem gregorianischen Kalender, der in Deutschland gilt, um zwei Wochen verschoben. Weihnachten ist in Georgien also erst am 7. Januar, wird jedoch nicht sehr gefeiert. Man geht aber zum Gottesdienst.

Wichtiger ist der 31. Dezember bzw. der 1. Januar: Neues Jahr, neues Glück. Dann ist auch Bescherung, es gibt die Geschenke. So fängt man das Jahr positiv an. Neujahr ist also eines der größten Feste in Georgien. Vorher richten wir die Wohnung festlich her und schmücken den Tannenbaum. Eine Weihnachtsspezialität ist "Gosinacki". Das ist ein leckeres Gebäck aus Walnüssen, Honig und Puderzucker.

Ich fahre mit meinem Sohn Nicka, der auf eine englischsprachige Schule in Düsseldorf geht, und meiner Frau Tamara mit Ferienbeginn nach Tiflis. In unserer Hauptstadt leben meine Eltern, Schwiegereltern und viele Freunde, mit denen wir kräftig feiern. Darauf freue ich mich. Die ganze Familie versammelt sich am Tisch, der mit den herrlichsten Speisen gedeckt ist. Ein guter Wein und beliebte Gerichte wie Saziwi dürfen nicht fehlen.

Um Mitternacht stoßen wir an und wünschen allen viel Glück und Gesundheit für das neue Jahr. Wir sind ein sehr geselliges Volk mit großer Tradition, außerdem sehr gastfreundlich. Falls Neujahrsgäste kommen, so reichen sie den Gastgebern Süßigkeiten mit den Worten "ase tkbilad daberdi". Das heißt so viel wie: So süß sollst du altern.

Naohiro Takahara (Hamburger SV/Japan):

Weihnachten ist für mich ein großes Geschenk, weil ich die Möglichkeit habe, nach Hause zu fliegen. Gleich nach dem Bochum-Spiel bin ich los. Besonders freue ich mich auf meine Eltern und meinen älteren Bruder, meine alten Freunde und auf japanisches Essen. Mit am liebsten esse ich Nudelsuppe und ein spezielles japanisch-koreanisches Gericht mit gebratenem mariniertem Rindfleisch, das es leider nicht in Hamburg, sondern nur in Asien gibt.

Ähnlich wie in Deutschland sind auch die Städte bei uns jetzt mit Weihnachtsbäumen und Lichterketten geschmückt. Allerdings hat Weihnachten in Japan nicht annähernd die Bedeutung wie in christlichen Ländern. Wir machen uns auch keine Geschenke. An einem Tag werde ich mich mit meinen Freunden in einem Lokal zum Essen verabreden. Das wird sicher wieder ein lockerer und lustiger Abend. Es ist nicht auszuschließen, dass wir danach noch zum Karaoke gehen werden.

Um richtig Urlaub machen zu können, wird kaum Zeit bleiben, denn ich werde mich auch in Japan körperlich fit halten und mich auf die Rückrunde vorbereiten. Wenn noch Zeit bleibt, versuche ich ein wenig zu reisen. Am 2. Januar kehre ich dann wieder zur Mannschaft nach Hamburg zurück.

Mehdi Mahdavikia (Hamburger SV/Iran):

Obwohl wir Moslems Weihnachten nicht feiern, herrscht bei uns zu Hause in Hamburg doch so etwas wie vorweihnachtliche Stimmung. Weil meine fünfjährige Tochter Asal hier in den Kindergarten geht und Weihnachten dort für die Kinder ein großes Thema ist, haben wir auch bei uns einen kleinen Weihnachtsbaum und etliche Nikoläuse in der Wohnung stehen. Der Adventskalender darf natürlich auch nicht fehlen. Auch wenn im Iran Weihnachten nicht als religiöses und kulturelles Fest begangen wird, respektieren wir den christlichen Feiertag und Jesus als einen großen Propheten.

Einen Tag nach unserem letzten Bundesligaspiel in Bochum bin ich mit meiner Frau und meiner Tochter in meine Heimatstadt Teheran geflogen. Weil ich nur zwei Mal im Jahr die Gelegenheit habe, nach Hause zu reisen, freue ich mich besonders auf die Zeit mit meinen Eltern und meinen acht Geschwistern. Am 24. Dezember überreiche ich meiner Tochter ihr Weihnachtsgeschenk. Vier Tage später kehre ich dann schon wieder nach Hamburg zurück, um mich mit der Mannschaft auf die Rückrunde vorzubereiten. Es bleibt mir also nicht sehr viel Zeit, um Freunde und Bekannte zu treffen und ich werde im Iran deshalb viel unterwegs sein. Weihnachten ist für mich aber auch wichtig zur Erholung. Ich brauche deshalb auch Zeit für mich, um Kraft für die Rückrunde zu tanken.

Bradley Carnell (Borussia Mönchengladbach/Südafrika):

Zum ersten Mal seit sieben Jahren feiere ich nicht in meiner südafrikanischen Heimat in Johannesburg. Aber ich bin am 16. September zum ersten Mal Vater geworden, und für unsere kleine Catlyn wäre der elfstündige Flug einfach zu weit. Dafür kommen meine Eltern, meine Tante und mein Onkel nach Deutschland. Das wird bestimmt sehr lustig. Meine Tante und mein Onkel waren noch nie im Ausland, die saßen noch nie in einem Flugzeug. Natürlich kennen sie auch keinen richtigen Winter und keinen Schnee.

Deshalb hoffe ich, dass es schneit und schön kalt ist. Das gehört hier einfach dazu. Zum ersten Mal haben wir in diesem Jahr auch einen Weihnachtsbaum. Ich habe eine schöne Nordmann-Tanne gekauft. Ein riesiges Teil, das jetzt in unserem Wohnzimmer steht. Mit meiner Familie wollen wir auch einige Weihnachtsmärkte besuchen. Das ist bestimmt was Schönes, das kennen wir sonst auch nicht.

Ich weiß zwar nicht genau, wie die Leute hier Weihnachten feiern, aber ich glaube, es ist gar kein so großer Unterschied zu Südafrika. Normalerweise essen wir an Heiligabend zusammen und nach Mitternacht gibt es dann die Geschenke. Früher sind wir nach dem Essen immer ins Bett gegangen. Um kurz nach zwölf haben uns unsere Eltern geweckt und gesagt, Santa Claus war da, schaut mal, was er gebracht hat. Aber dafür ist unsere Tochter natürlich noch zu klein.

Alexander Hleb (VfB Stuttgart/Weißrussland):

Ich kann nicht sagen, wie wichtig mir das ist, Weihnachten bei meiner Familie in Minsk verbringen zu können. Ich freue mich wie verrückt. Das ist immer so ein toller Tag. Am Abend kommen meine Tanten und Onkel, Freunde und auch ein paar Nachbarn. Wir sind so 25 bis 30 Leute. An einem großen Tisch essen wir. Es gibt Fleisch, Fisch, Kaviar, Kartoffeln, Salat und vieles mehr. Dazu Wein und Wodka. Aber ich trinke keinen Wodka, das mag ich nicht. Vielleicht genehmige ich mir ein Gläschen Whisky.

Dann wird gesungen und getanzt, aber da mach' ich nicht mit. Ich filme lieber alles. Da hab' ich später viel zu lachen. Oh, das wird so schön, so lustig. Das macht so viel Spaß. Das geht bestimmt bis sechs Uhr morgens. Geschenke gibt es natürlich auch. Mein Bruder Slawi, der beim HSV spielt, und ich müssen das zusammen transportieren, da wir so viele Taschen voller Mitbringsel haben. In die Kirche gehen wir an dem Abend nicht. Da ist für uns der 7. Januar wichtiger.

Andres D'Alessandro (VfL Wolfsburg/Argentinien):

Am Heiligen Abend in Argentinien ist die Bescherung immer um Mitternacht. Danach wird angestoßen. Dabei ist der Himmel hell erleuchtet von einem um Mitternacht einsetzenden Feuerwerk. Das hat bei uns Tradition. Am ersten Weihnachtstag serviert Mama Gladys einen Schweinebraten und dazu gibt es Clerico. Das ist ein Punsch aus Rotwein, Melonen, Trauben, Ananas und Banane, der besonders gut schmeckt, wenn ihm besonders viel Obst beigefügt wird.

Steven Cherundolo (Hannover 96/USA):

Zwei, drei Wochen vor der Winterpause bekomme ich Heimweh. Das bekomme ich im Sommer zwar auch, aber dann ist es nicht ganz so schlimm, weil es nicht so kalt ist. Und das ist für mich auch ohne Kalender das sicherste Anzeichen, dass es Weihnachten wird. Auf dieses Fest freue ich mich ganz besonders, denn es ist bei uns ein sehr familiäres Fest. Ich fühle mich hier in Hannover sehr wohl, aber meine Familie fehlt mir. Umso größer ist die Vorfreude. Bereits am 23. Dezember treffen wir uns alle bei meinen Eltern, dann kommen meine Schwestern Gina und Kristi mit ihren Familien und mein Bruder Rick.

Die Vorstellungen über das Weihnachtsfest sind bei uns in den USA ähnlich wie in Deutschland, aber gefeiert wird in jeder Familie anders. Der Weihnachtsmann heißt Santa Claus. Er kommt mit seinem Rentierschlitten und bringt die Geschenke. Nur auf den Schnee müssen wir in San Diego verzichten. Der vielleicht größte Unterschied ist, dass es die Geschenke nicht am 24. Dezember gibt, sondern erst am nächsten Morgen. Damit die Zeit bis dahin nicht zu lang wird, hängen am Kamin für jeden Strümpfe, die mit Süßigkeiten und kleinen Geschenken gefüllt sind.

Am Heiligen Abend gehen wir nach einem gemütlichen Essen gemeinsam in die Mitternachtsmesse. Meine Familie ist römisch-katholisch und der Glaube spielt bei uns traditionell eine große Rolle. Am 1. Weihnachtstag schlafen alle lange und nach einem ausgiebigen Frühstück werden die Geschenke unter dem Tannenbaum ausgepackt. Und noch eins hat schon Tradition, danach gehe ich mit meinem Bruder surfen.

Joakim Persson (FC Hansa Rostock/Schweden):

Auch bei uns in Schweden ist Weihnachten, Jul, das wichtigste und größte Fest des Jahres. Ich feiere mit meiner Frau und unseren zwei Kindern in Helsingborg, meiner Heimatstadt in Südschweden. Mittelpunkt ist natürlich der 24. Dezember, wo sich unsere gesamte Familie trifft und den Heiligen Abend zusammen verbringt. Erstes Highlight ist um punkt 15.00 Uhr ein Donald-Duck-Cartoon, den ich im Fernsehen mit meinen beiden Kleinen sehen werde. Das ist seit rund 25 Jahren zu einer guten Tradition geworden, den Trickfilm sieht fast jeder Schwede und um diese Zeit sind die Straßen wie leer gefegt.

Erst danach werden gegen sechs die Geschenke unter dem Weihnachtsbaum ausgepackt. Die bringt bei uns übrigens Jultomte. Im Anschluss wird natürlich richtig gut und viel gegessen und getrunken. Kulinarischer Höhepunkt ist bei uns das Smörgåsbord, unser Weihnachtstisch. Der ist mit leckeren Sachen, wie mariniertem Hering, Rotkohl, Anchovis, dem Weihnachtsschinken, Rippchen und Stockfisch gedeckt. Dazu gibt es viel Bier und Julmust (Kräuterlimonade). Ausklingen lassen wir den Abend in gemütlicher Runde mit Schnaps und Glögg, der so ähnlich wie deutscher Glühwein zubereitet wird.

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