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So funktioniert der Stromhandel an der Börse

afp FRANKFURT/MAIN. Mit der European Energy Exchange ( EEX ) startet am Dienstag die zweite Strombörse in Deutschland. Mitte Juni hatte bereit die Leipzig Power Exchange (LPX) ihren Betrieb aufgenommen. Beide Börsen setzen zunächst auf den so genannten Spothandel, wollen aber in den kommenden Monaten auch Termingeschäfte ermöglichen.

Beim Spothandel werden bis zu einem bestimmten Zeitpunkt anonym alle Kauf- und Verkaufangebote aus dem In- und Ausland gesammelt. Dann ermittelt die Börse einen Marktpreis und bringt alle Deals zum Abschluss, die in diesem Preisrahmen zu erfüllen sind. Vereinbart werden jeweils Stromlieferungen in Stundenblöcken für den Folgetag. Die Unterschiede zwischen Frankfurt und Leipzig liegen bei der Auktion in den zeitlichen Vorgaben. Während bei der LPX Gebote bis zum Mittag abgegeben werden können, läuft die Frist in Frankfurt bereits um 9.20 Uhr aus.

Beispiel: Der Energieversorger RWE bekundet, zehn Megawattstunden Strom zwischen acht und neun Uhr kaufen zu wollen, wenn der ermittelte Preis 35 Mark die Megawattstunde beträgt. Bei 38 Mark nähme sie nur fünf Megawatt, ergäbe sich ein Marktpreis von 40 Mark, böte sie aus eigenen Kraftwerken fünf Megawatt an. Ein Marktteilnehmer kann also gleichzeitig als Käufer und Verkäufer auftreten. Legt die Börse dann 38 Mark fest, erhält die RWE am Folgemorgen fünf Megawattstunden Strom von einem Teilnehmer, der seinen Strom zu diesem Preis angeboten hat.

Bietet Leipzig nur eine große Auktion pro Tag an, wird Frankfurt zudem einen kontinuierlichen Spothandel ähnlich dem Börsenhandel mit Aktien organisieren. Dabei kann ein Kunde eine bestimmte Strommenge - etwa ein Megawatt - für den gesamten folgenden Tag kaufen und nicht nur für eine einzelne Stunde.

Während beim Spothandel direkt am nächsten Tag Strom fließt, finden die in einigen Monaten geplanten längerfristige Termingeschäfte zunächst nur auf dem Papier statt. Der Marktteilnehmer erwirbt das verbriefte Recht, Strom zu einem bestimmten Zeitpunkt zu einem festgelegten Preis zu kaufen oder verkaufen. Hintergrund ist, dass der Wettbewerb die Strompreise je nach Saison, Wetter und Tageszeit, je nach Netzauslastung oder Dringlichkeit der Lieferung stark schwanken lässt. Termingeschäfte sind dabei vor allem ein Instrument der Preisabsicherung.

Die Systeme in Frankfurt und Leipzig unterscheiden zudem bei den Gebühren und der genutzten technischen Plattform: Frankfurt wird den Spothandel über das XETRA-System abwickeln, das bisher vorrangig für den Aktienhandel genutzt wird, Leipzig hat das SAPRI-System der nordischen Strombörse Nordpool übernommen. Frankfurt verlangt von seinen Kunden dabei 20.000 Euro für die Anmeldung. Die ursprünglich geplante Gebühr von 0,33 Prozent des Wertumsatzes müssen Kunden bis zum Jahresende nicht zahlen. Bei der LPX müssen Teilnehmer über eine einmalige Anmeldegebühr von 7000 Euro hinaus schon jetzt 0,04 Euro Provision je Megawattstunde entrichten.

Privatkunden haben vom börslichen Stromhandel nur indirekt Vorteile. So könnten die Haushalte profitieren, wenn die Konzerne die dank Börse erzielten Kosteneinsparungen an die Kunden weitergeben. Im Internet kann künftig zudem jeder Kunde täglich nachsehen, wieviel Strom im Börsenhandel wert ist und seinen eigenen Stromversorger daran messen.

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