So mancher zeigt sich zurzeit Value-Fonds sehr technologiefreundlich und nimmt im Rahmen der Möglichkeiten Wachstumstitel ins Depot
Ganz breit streuen

Fondsmanager tasten sich zurzeit wieder an Tech-Aktien heran. So genannte "Blend"-Fonds können sich besonders schnell anpassen. Sie investieren sowohl in Wachstums- als auch in Substanzwerte.

DÜSSELDORF. Wenn sich die Technologietitel wieder erholen, freut das die meisten Börsianer. Die Manager von klassischen Value-Fonds dürften allerdings mit etwas Neid auf die Kollegen aus der Wachstumsfraktion hinüberschielen. Denn durch ihre Anlagerichtlinien sind sie dazu angehalten, vor allem auf grundsolide Substanzwerte zu setzen. Für sie besteht die Gefahr, dass Wettbewerber mit ihren auf wachstumsstarke High-Tech-Aktien ausgerichteten Depots ihnen wieder den Schneid abkaufen - wie damals, vor der großen Tech-Titel-Krise im Jahr 2000.

Kein Wunder, dass sich da so mancher Value-Fonds zurzeit sehr technologiefreundlich zeigt und im Rahmen der Möglichkeiten Wachstumstitel ins Depot nimmt. Oft ist eine Unterscheidung auf der Ebene der Einzelwerte sowieso sehr schwierig. "Den Softwarehersteller Microsoft kann man beispielsweise je nach Kriterienkatalog sowohl dem Value- als auch dem Growth-Segment zurechnen, so dass sich Fondsmanager aus beiden Lagern hier bedienen können", sagt Jürgen Blumberg, Geschäftsführer der Fondsanalysefirma Cashcrew.

Portfoliomanager Thilo Schmidt hat in seinem Fonds Meag Euro Invest zuletzt die Positionen bei der Deutschen Telekom und Infineon ausgebaut. "Grundsätzlich verfolgen wir einen Value-Ansatz, beide Aktien sind günstig bewertet und verfügen darüber hinaus über ein hohes Momentum." Letzteres bezeichnet die relative Stärke einer Aktie im Vergleich zum Gesamtmarkt: Von einem "guten Momentum" spricht man, wenn eine Aktie schneller steigt als der allgemeine Markt und zusätzlich bei einem hohen oder steigenden Volumen gehandelt wird. Der Anstieg muss nicht fundamental begründet sein, es kann sich lediglich um einen "Modetrend" handeln.

In Erwartung einer sich bessernden konjunkturellen Lage setzt Schmidt verstärkt auf Aktien aus zyklischen Branchen wie etwa aus dem Bereich der Automobilindustrie oder Telekommunikation. "Für die Telekommunikationswerte sprechen vor allem die Zinssenkungen, die sich positiv auf die Schuldenlast der Unternehmen auswirken werden." Auch die Tatsache, dass die Subventionen von Neu-Handys heruntergefahren wurden, sei positiv.

Schmidt liegt mit dem Meag Euro Invest in der Kategorie "Value" bei europäischen Standardwerten in der Dreijahreswertung vorne. Die Einteilung stammt von der Ratingagentur Morningstar, die anhand fundamentaler Kennzahlen analysiert, zu welcher Kategorie der Fonds gehört. "Der Name eines Fonds sagt nämlich meist recht wenig über die Anlagepolitik aus", sagt Morningstar-Experte Kai Wicking. Grunderkenntnis: Nicht überall, wo "Value" drauf steht, ist auch "Value" drin. Die Münchener schauen sich bei ihrer Analyse jede Aktie des Portfolios einzeln an. Bekommt ein Fonds das Merkmal "Blend", bedeutet dies, dass er sowohl "Value" als auch "Growth"-Ansätze" enthält.

Auch der DIT-Aktien Europa AF kann je nach Marktsituation stärker die Value- oder die Growth-Karte spielen. Momentan sei man etwas stärker bei den Wachstumswerten gewichtet, wobei man zwar größere Positionen bei Telekommunikationstiteln wie Nokia, Vodafone oder Portugal Telecom halte, über den ganzen Fonds gesehen aber deutlicher auf Technologie- und Medientitel konzentriert sei, erläutert DIT-Fondsmanager Dirk Ropers. Mittelfristig blieben bei den Telekommunikationstiteln noch einige Probleme zu lösen. Als Stichwort nennt Ropers hier die hohen Verbindlichkeiten der Konzerne. Das sei auch mit ein Grund dafür, dass der Fonds gegenwärtig keine Deutsche Telekom oder France Télécom halte. Dafür habe das Fondsmanagement im Mediensektor bei Havas Advertising zugegriffen, auch "ein wenig" Cap Gemini sei hinzugekommen.

Ropers will aber nicht den Eindruck erwecken, dass er zu stark auf die Technologieaktien setzt. Vor allem zyklische Konsumgüterhersteller sollten seiner Meinung nach von der erwarteten Konjunkturerholung im kommenden Jahr profitieren. Deshalb finden sich auch Substanzwerte wie der Tourismuskonzern Preussag, die Hotelkette Accor, der Sportartikelhersteller Adidas und die Luxusmarkenholding LVMH im Portfolio. Im schrittweisen Crash an den Börsen habe das Fondsmanagement ferner die Aktie des Frankfurter Flughafenbetreibers Fraport zu "attraktiven Bewertungen" eingesammelt.

Fondsstratege Ropers glaubt nicht, dass sich die Übertreibungen an den Börsen nach oben wie nach unten in Zukunft wiederholen werden. Vielmehr sei davon auszugehen, dass der Aufschwung von mehreren Sektoren getragen werde. Deshalb wäre ein breit aufgestellter Fonds mit flexibler Anlagestrategie im Vorteil. Weil das Management aber zu früh auf eine Erholung der Technologieaktien gesetzt hatte, lag der Fonds in der jüngsten Vergangenheit schlechter als seine Benchmark, der MSCI-Europe-Index. Jetzt wolle man wieder an die längerfristige Erfolgsbilanz anknüpfen. Bei der Aktienauswahl kommt dabei ein "Bottom-up-Ansatz" zum Tragen, der beispielsweise das Wachstum, das Management und die Marktposition des Unternehmens berücksichtigt.

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