So seh ich das
Konsequent ist nur der Wandel

Seit der Abgabe der Handysparte vor einem Jahr an den taiwanischen Konzern BenQ mit einer hübschen Mitgift samt Namens- und Patentrechten steht Siemens unter heftigem Beschuss. Die Kritik zeigt das problematische Verhältnis unserer Gesellschaft zu den Mechanismen des Wettbewerbs.

Seit einigen Wochen beschäftigt sich die deutsche Öffentlichkeit nun schon mit dem Fall BenQ. Nicht nur, dass BenQ die Tochtergesellschaft BenQ Mobile in die Insolvenz schickte und deren 3 000 Mitarbeiter nun um ihren Arbeitsplatz bangen müssen. Auch die deutschen Zulieferer, allen voran Infineon, leiden unter der wegbrechenden Nachfrage und erwarten einen Ergebnisrückgang im hohen zweistelligen Millionenbereich. Der Hersteller von Handyschalen Balda, der zusätzlich noch einen Nachfragerückgang von Nokia zu verschmerzen hat, wird über die Hälfte seiner Angestellten und Leiharbeiter entlassen müssen, unter ihnen auch Hunderte in Deutschland.

Siemens steht seither unter heftigem Beschuss, weil die Abgabe der Handysparte vor einem Jahr an den taiwanischen Konzern BenQ mit einer hübschen Mitgift von rund 400 Millionen Euro samt Namens- und Patentrechten für viele Kritiker nicht mehr war als eine elegante Entsorgungsstrategie, mit der sich der traditionsreiche deutsche Konzern eines moralischen Vergehens schuldig gemacht haben soll. Doch das ist, wie ich finde, ein falsches Urteil. Es übersieht den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Gesamtzusammenhang, in dem solche und viele andere Strukturveränderungen ablaufen. Die Einseitigkeit, mit der die Öffentlichkeit auf den Fall reagierte, zeigt allerdings ein problematisches Verhältnis unserer Gesellschaft zu ihren marktwirtschaftlichen Wettbewerbsmechanismen.

Die öffentliche Wahrnehmung des strukturellen Wandels der Wirtschaft ist stark fixiert auf die jeweiligen Einzelschicksale der negativ Betroffenen. Das ist menschlich. Mitgefühl mit Menschen zu haben, die in eine wirtschaftliche Notlage geraten sind, ist sicher nicht verwerflich. Doch man muss der Versuchung widerstehen, kurzerhand die Schuld den Unternehmen in die Schuhe zu schieben, die mit wirtschaftlicher Vernunft auf die Notwendigkeit einer Umstrukturierung reagieren.

So hat Siemens letztlich nichts anderes getan, als sich betriebswirtschaftlich rational an veränderte Marktbedingungen anzupassen. Was dagegen passiert, wenn man im Wettbewerb mit einer Art Konservierungsstrategie die notwendigen Anpassungen versäumt, zeigen Karstadt und andere Beispiele. Und wer übernimmt die Verantwortung für den Personalabbau der öffentlichen Hand und ihrer Unternehmen?

Wir dürfen nicht vergessen, dass wir in einer Welt leben, die sich ständig wandelt, in der eine permanente Suche nach neuen Lösungen und Verbesserungen stattfindet. Das kapitalistische System hat sich seit langem als jenes System bewährt, das weitaus am besten in der Lage ist, mit dieser Dynamik umzugehen. Freie Marktwirtschaft und echter Wettbewerb gewährleisten, dass die Bedürfnisse einer Gesellschaft bestmöglich befriedigt, Misswirtschaft und Fehlallokationen automatisch bestraft werden und sich im Normalfall die bessere Lösung durchsetzt. Der Käufer eines Handys und seine Wünsche entscheiden, wer im Markt gewinnt.

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