So seh ich es
Abstimmung mit den Füßen

Wachstum und Arbeit bleiben für Deutschland die entscheidenden Ziele. Nach Einschätzung der Optimisten wird dabei die konjunkturelle Belebung auch bald den Arbeitsmarkt erreichen und 200 000 neue Jobs hervorrufen. Die Pessimisten sehen das freilich ganz anders und befürchten nach einer kaum spürbaren Entspannung weitere Rekorde bei den Arbeitslosenzahlen, sobald der Fiskus 2007 mit einem Mehrwertsteuersatz von 19 Prozent zulangt.

Ich bin stets für eine optimistische Sicht der Dinge. Natürlich muss man gleichwohl festhalten, dass auch mit 200 000 neuen Arbeitsplätzen das Problem Massenarbeitslosigkeit nicht einmal annähernd gelöst wäre

Das wissen natürlich auch alle Politiker. Aber trotz der üblichen Auseinandersetzungen zwischen Staatsgläubigen und Marktpropheten ist die Ratlosigkeit hoch, wie man jetzt konkret, wirksam und nachhaltig die Jugendarbeitslosigkeit und die Arbeitslosigkeit bei älteren Arbeitnehmern reduzieren oder gar besiegen kann.

Vielleicht müssen wir zuallererst einmal diese Ratlosigkeit akzeptieren. Das wäre zumindest ein Konsens, auf dem man aufbauen könnte. Gerade wir Deutschen neigen dazu, nach dem großen Wurf zu suchen. Doch jeder, der glaubt, ihn gefunden zu haben, weiß im Grunde auch, dass er ihn in einer großen und komplexen Gesellschaft wie Deutschland niemals mit der notwendigen Konsequenz umsetzen kann. Was dann bleibt, sind große Verheißungen und ein frustriertes Volk.

Wir sollten in unseren Erwartungen also bescheidener werden und kleinere Brötchen backen. Das ist vermutlich die beste Methode. In mehr Bescheidenheit sollte sich allerdings auch die Politik üben. Wir müssen uns mehr um die Beseitigung offensichtlicher und weitgehend unstrittiger Mängel kümmern. Und das Schritt für Schritt. War das nicht auch der Weg, auf dem wir in das aktuelle Dilemma hineingeraten sind? Schritt für Schritt? Es ist unrealistisch zu glauben, wir könnten nun mit ein paar Handgriffen die Probleme lösen, wenn es die verantwortlichen Parteien nur wollten.

Wenn wir aber - ganz pragmatisch - die Zukunft zu unseren Gunsten tatsächlich gestalten wollen, müssen wir als Erstes eines aus den Erfahrungen der letzten Jahrzehnte lernen: Was wir jetzt lösen müssen, sind die Probleme der Zukunft. Im Gegensatz dazu sind unsere augenblicklichen Probleme die Folgen von Fehlentscheidungen, die in der Vergangenheit getroffen wurden. Sie lassen sich zumeist nicht mehr rückgängig machen.

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