So seh ich es
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Der Einsatz von Langzeitarbeitslosen in der Pflege ist eine gute Idee, weil es das Pflegeproblem und die Arbeitslosenproblematik miteinander verbindet. Eigentlich müssten alle froh über den Vorschlag sein, die notwendige zusätzliche Betreuung zu realisieren, ohne wieder eine Erhöhung der Lohnnebenkosten auszulösen. Erwerbslose als Pflegepersonal allein wird jedoch langfristig nicht ausreichen.
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Die Reform der Pflegeversicherung vom 1. Juli soll jetzt mit einer Übergangsrichtlinie schnellstmöglich umgesetzt werden. Ein Entwurf, zu dessen Anfertigung der Spitzenverband der Pflegekassen aufgefordert wurde, liegt nun vor. Darin wird angeregt, sogenannte Pflegeassistenten auszubilden.

Nun versucht die Bundesagentur für Arbeit, circa 10 000 Arbeitssuchende und Langzeitarbeitslose als kostengünstiges Personal, das für die Betreuung von Pflegebedürftigen, insbesondere Demenzkranken, eingesetzt werden soll, zu rekrutieren. Und schon beginnt die typisch deutsche Diskussion, ob man überhaupt Arbeitslose finde, deren Ausbildung ausreiche und so weiter und so fort. Ich meine, dass, anstatt hier zu mäkeln, die Verbindung des Pflegeproblems mit der Arbeitslosenproblematik eine gute Idee ist. Und es ist gut, dass die Kanzlerin und die Familienministerin dahinterstehen.

Die Finanzierung der Pflegeversicherung ist bekanntlich langfristig nicht gesichert. Da über Jahrzehnte hinweg zu wenig Kinder geboren wurden, überaltert die Gesellschaft, was den Druck auf die Renten-, die Kranken- und natürlich auch die Pflegekasse massiv erhöht. Die Reform der Pflegeversicherung muss diesem Kostendruck entgegenwirken, wenn verhindert werden soll, dass die Beiträge rasant steigen und damit den Arbeitsmarkt und die Wirtschaftsdynamik noch stärker belasten. Das alles ist nicht neu. Und so müssten eigentlich alle froh über den Vorschlag sein, die notwendige zusätzliche Betreuung zu realisieren, ohne dadurch wieder eine Erhöhung der Lohnnebenkosten auszulösen.

Erstens wird kein Arbeitsloser gezwungen, einen solchen Pflegejob anzunehmen. Zweitens ist es zwar nicht jedermanns Sache und Geschick, mit Pflegebedürftigen in angemessener Weise umzugehen. Deswegen ist aber zum einen eine systematische Auswahl der Bewerber vorgesehen, zum anderen sollen die Ausgewählten die notwendige Fortbildung erhalten, bevor sie den Dienst am Menschen antreten dürfen. Allein die Tatsache, dass nach Aussage der Bundesagentur für Arbeit derzeit 35 000 arbeitslose Altenpfleger und 63 000 Arbeitssuchende aus diesem Bereich registriert sind, zeigt, dass hier noch längst nicht alle Möglichkeiten der Arbeitsvermittlung ausgereizt sind.

Drittens sollen die Pflegeassistenten die hochprofessionell ausgebildeten Pfleger in keiner Weise ersetzen, sondern lediglich ergänzen. Und hier lässt sich recht eindeutig definieren, welche Arbeiten von Pflegern und welche von Pflegeassistenten ausgeführt werden können. Von Letzteren erwartet man unterstützende Tätigkeiten wie zum Beispiel Spazierengehen, Unterhaltungen, Vorlesen oder Besorgungen. Es sollte durchaus mit den vorgeschlagenen 160 Weiterbildungsstunden plus Praktika gelingen, die mit Bedacht ausgesuchten Bewerber auf diesen Aufgabenbereich vorzubereiten.

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