So seh ich es
Bedingt risikobereit

Wenn von Wachstum und Beschäftigung, von Marktwirtschaft und Innovationen die Rede ist, wird leicht übersehen, dass die Hauptrolle in diesen Prozessen der Unternehmer innehat. Doch gerade bei den Existenzgründern bildet Deutschland unter den Industrieländern das Schlusslicht. Warum es mit der Selbstständigkeit in Deutschland hapert.
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HB. Der dynamische Unternehmer, wie ihn etwa der berühmte Ökonom Joseph Schumpeter herausarbeitete, verwaltet nicht einfach die ewig gleichen wirtschaftlichen Abläufe, sondern führt vor allem neue Produkte, Herstellungsmethoden und Dienstleistungen ein.

Klassischerweise ist diese Leistung mit der Gründung eines eigenen Unternehmens verbunden. Zu den bekanntesten und eindrucksvollsten deutschen Beispielen für diesen dynamischen Unternehmer zählen etwa Gottlieb Daimler, Robert Bosch oder Carl Zeiss. Aber darüber hinaus gibt es eine Menge innovativer mittelständischer Unternehmer, die in ihrer Gesamtheit eine große Bedeutung für die wirtschaftliche Prosperität und den Wohlstand unseres Landes haben. Durch sie entstehen immer wieder neue, meist besser bezahlte Arbeitsplätze, während sie bei reifen Industrien Zug um Zug im Wettbewerb mit den Schwellenländern verlorengehen.

Doch auch jenseits hochinnovativer Unternehmensgründungen ist in einer Marktwirtschaft jede Art von Selbstständigkeit wichtig, auch weil sie den Arbeitsmarkt stabilisiert. Sogar dann, wenn derjenige, der den Schritt in die Selbstständigkeit wagt, nur den eigenen Arbeitsplatz schafft.

Doch trotz dieser Erkenntnis sind Unternehmertum und wirtschaftliche Selbstständigkeit in Deutschland nicht sehr beliebt. 1,1 Millionen Menschen waren 2006 in Deutschland selbstständig. Das sind nur 2,9 Prozent der erwachsenen Bevölkerung zwischen 18 und 64 Jahren. Die sogenannte Selbstständigenquote ist mit zehn Prozent ebenfalls gering. Betrachtet man die Zahl neu gegründeter Unternehmen, so bildete 2006 Deutschland unter den Industrieländern sogar das Schlusslicht. Insgesamt liegt die Bundesrepublik im internationalen Vergleich der Anzahl geplanter und gerade gegründeter Unternehmen abgeschlagen auf Platz 37.

Für diese schlechte Bilanz gibt es sicherlich mehrere Gründe, über die man spekulieren kann. Zu nennen wäre da beispielsweise der bürokratische Aufwand, den viele scheuen und der in anderen Ländern meist geringer ist. Ein weiterer Grund mag in der Unterversorgung mit Risikokapital liegen. Doch scheint darüber hinaus bei den Deutschen auch nicht so ganz die Einstellung zum Thema Existenzgründung und wirtschaftliche Selbstständigkeit zu stimmen. Die persönliche Risikobereitschaft, der Umgang der Gesellschaft mit einem Gescheiterten und vielleicht sogar der Grad der Leistungsmotivation und Eigenverantwortung sind hierzulande nicht sehr ausgeprägt.

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