So seh ich es
Bildung benötigt Wettbewerb

In Deutschland wird mittlerweile pro Woche mindestens eine neue Privatschule gegründet. Dies lässt sich nur mit der Erkenntnis vieler Bürger erklären, dass der Staat unseren Kindern weder Zukunftsgarantien geben kann noch in der Lage ist, in absehbarer Zeit die Bildungsqualität zu verbessern. Und dies könnte Schwung in die Bildungsreform bringen.

Wir haben in den letzten Jahren einen schmerzlichen Erkenntnisprozess durchgemacht, bei dem wir uns eingestehen mussten, dass Deutschlands einst so vorbildliches Bildungssystem im internationalen Vergleich mitunter deutlich ins Hintertreffen geraten ist. Seitdem wird kräftig darüber diskutiert, was man denn ändern müsse und was man denn überhaupt ändern könne.

Da besteht zum einen das Problem mit den Hauptschulen, die gemeinhin schon fast als Einstieg in die Arbeitslosigkeit gelten. Was hier hilfreich sein könnte, ist noch sehr ungewiss. Anders sieht das im Bereich der Gymnasien aus. Hier zeichnet sich bereits eine grundlegende Tendenz zur Umstrukturierung ab. Sie wird allerdings weniger von staatlichen Instanzen getragen als vielmehr von der bürgerlichen Mittelschicht, die nicht warten kann, bis ihre Kinder erwachsen sind. Wer die zusätzlichen Kosten nicht scheut, denkt heutzutage darüber nach, ob er seinen Kindern nicht einen besseren Start ins Berufsleben ermöglichen möchte, indem er nach alternativen Bildungsinstitutionen Ausschau hält.

Die Möglichkeit, sein Kind auf eine Privatschule zu schicken, gab es in der Bundesrepublik schon immer. Freie Lehranstalten sind durch das Grundgesetz geschützt. Der Staat ist zur finanziellen Unterstützung verpflichtet. Dieses Gesetz hatte möglicherweise niemals eine derart große Bedeutung für die Gesellschaft wie in der aktuellen Situation. Immerhin ist hier zu Lande bereits jedes 14. Kind ein Privatschüler. Das entspricht einem Anteil von 6,7 Prozent.

Im internationalen Vergleich ist das zwar noch sehr gering. Die Amerikaner und Japaner schicken jedes zehnte Kind auf eine Privatschule, die Franzosen jedes fünfte. In Großbritannien sind es nochmals über doppelt so viel. Und bei unseren Nachbarn in den Niederlanden und in Belgien besucht sogar über die Hälfte der Schüler eine Schule mit privatem Träger.

Doch trotz der noch geringen Quote in Deutschland spricht die Entwicklung der letzten Jahre eine eindeutige Sprache: Zwischen 1992 und 2005 hat sich die Zahl der Privatschüler um gut 43 Prozent erhöht, obwohl an den staatlichen Schulen die Schülerzahlen deutlich rückläufig waren. In Deutschland wird mittlerweile pro Woche mindestens eine neue Privatschule gegründet.

Seite 1:

Bildung benötigt Wettbewerb

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%