So seh ich es
Chinas Sprung in die Moderne

Es hat eine lange Tradition, dass die deutschen Bundeskanzler China mit großen Wirtschaftsdelegationen bereisen, um der deutschen Wirtschaft, die auf dem rasch wachsenden chinesischen Markt im harten Wettbewerb mit der Konkurrenz aus den USA, Japan und Europa steht, Rückendeckung zu geben.

Bisher stand hier stets der große Absatzmarkt für deutsche Güter wie Autos und Maschinenanlagen oder auch Ingenieurleistungen für Infrastrukturprojekte im Mittelpunkt. Zugleich wird seit langem gern die internationale Arbeitsteilung genutzt, um preiswerte Konsumgüter und Produktkomponenten von China einzukaufen. Die Wachstumszahlen des deutsch-chinesischen Handels sind so beeindruckend wie fast alle Zahlen, die mit China zu tun haben.

Zunehmend werden die zu diskutierenden Fragen jedoch komplexer. Obwohl mittlerweile der Wert der nach Deutschland verkauften chinesischen Produkte fast doppelt so hoch ist wie Deutschlands Export dorthin, gibt sich das Reich der Mitte damit noch lange nicht zufrieden. China will nicht nur quantitativ zulegen, sondern strebt auch einen rasanten Strukturwandel an. So will man nicht nur die verlängerte Werkbank des Westens sein, sondern mit Hilfe großer Forschungsinvestitionen bis 2050 die USA als größte Forschungsmacht der Welt ablösen.

Wie schon Jahrzehnte zuvor Japan und etwas später dann Taiwan und Südkorea hat auch China längst erkannt, dass der Weg zu mehr Wohlstand allein über mehr Innovation führt. Und China ist dabei, dieses Ziel in Rekordgeschwindigkeit zu erreichen. Hat das Thema High Tech in China 1990 praktisch noch keine Rolle gespielt, so ist das Land jetzt, nur gut 15 Jahre später, bereits mit über zehn Prozent der weltweiten Umsätze auf hochtechnologischen Märkten ein bedeutender Mitspieler. Was den Anteil des weltweiten High-Tech-Exports angeht, hat China den ostasiatischen Champion Japan bereits eingeholt.

So wie die Zeichen stehen, wird die gigantische Aufholjagd der chinesischen Wirtschaft hier sicherlich nicht enden. Die Kapitalinvestitionen der internationalen Konzerne, unter ihnen auch Siemens und SAP, steigen gewaltig - und nicht zuletzt auch die des deutschen Mittelstandes. Und die Tatsache, dass jährlich 250 000 junge hoch motivierte Ingenieure Chinas Hochschulen verlassen, um mit Qualitätsoffensiven rasch die internationalen Standards zu erreichen, gibt uns einen beeindruckenden Vorgeschmack auf die Kraft des aufstrebenden Riesen.

Gelegentlich erreicht deutsche Unternehmer der Vorwurf, mit ihrem Engagement im Fernen Osten ein Eigentor zu schießen und den wirtschaftlichen Vorsprung Deutschlands aufzugeben, statt mit mehr Patriotismus hier bei uns im Land zu investieren. Doch wenn man den spezifischen Anforderungen des chinesischen Marktes an Produkten und technologischen Dienstleistungen Rechnung tragen will, bleibt den deutschen Investoren gar nichts anderes übrig, als diese Entwicklung durch Investitionen in die F & E- Struktur Chinas nachhaltig zu unterstützen.

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