So seh ich es
Das Atomzeitalter ist noch nicht vorbei

In den vergangenen Jahren hat sich herausgestellt, dass der Ausstieg aus der Atomenergie seinen Preis hat - und dass Deutschland nicht der Abschaltungspionier ist, dem bald viele weitere Länder folgen werden. Denn im europäischen Ausland will man sich vorerst noch nicht auf Rohstoffvorkommen und alternative Energiequellen verlassen.

Der G8-Gipfel hat das Thema wieder auf die Tagesordnung gesetzt: Kernenergie ja oder nein? Derzeit gilt die von der früheren rot-grünen Bundesregierung herbeigeführte Regelung, wonach bis zum Jahr 2021 alle 17 Kernkraftreaktoren in Deutschland abzuschalten sind. Die nach wie vor aktuelle Vereinbarung galt einige Zeit lang als konsensfähige Lösung. Diese bediente nicht nur die Ideologie der ökologischen Fundamentalisten, sondern wahrscheinlich durchaus die Mehrheit der Bevölkerung mit ihren Ängsten vor dem Gau.

Diese Ängste wurden ganz erheblich durch das Reaktorunglück in Tschernobyl im April 1986 gefördert. Der Wunsch, sich auf alle Fälle vor einem Unfall dieser Art, möglicherweise sogar in nächster Umgebung, zu schützen, ist absolut verständlich. Die rot-grüne Regierung konnte sich mit ihrer Forderung lange Zeit auf große Teile der Wähler stützen.

Mittlerweile ist aber klar geworden, dass der Ausstieg aus der Atomenergie durchaus seinen Preis hat. Die Engpässe auf dem Öl- und Gasmarkt, die sich insbesondere durch die rasant steigende Nachfrage Asiens ergeben, lassen auf dem aktuellen Stand der Technologie keine guten wirtschaftlichen Prognosen zu. Die direkten Auswirkungen bekommt schon jetzt jeder Haushalt zu spüren.

Wenn man bedenkt, dass im vergangenen Jahr mehr als ein Viertel der Stromerzeugung in Deutschland von Kernkraftwerken kam, kann man sich eine ungefähre Vorstellung davon machen, was die Abschaltung energiewirtschaftlich und damit für die Preisentwicklung von Strom bedeuten wird. Spätestens dann wird man nicht mehr auf den Rückhalt in der Bevölkerung setzen können.

Man mag dieses reine Kostenargument gegen den Sicherheitsaspekt nicht gelten lassen. Wenn man mögliche Schäden, die ein Reaktorunfall verursachen könnte, als unbezahlbar einstuft, wird die Rechnung immer zu Ungunsten der Kernkraftwerke ausfallen, gleichgültig wie gering die Gefahr ist. Doch diese Rechnung geht aus anderen Gründen nicht auf.

Eine nicht zu leugnende Tatsache ist nämlich, dass Deutschland nicht der Abschaltungspionier ist, dem bald viele weitere Länder folgen werden. Vielmehr verhält sich Deutschland anachronistisch. Das Energieproblem betrifft die meisten Staaten, die nicht auf große Rohstoffreserven fossiler Brennstoffe zurückgreifen können. Keiner unserer Nachbarn etwa denkt über den Ausstieg nach.

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