So seh ich es
Der Chefkoch in der kalten Küche

Wenn wir Deutschlands Spitzenstellung erhalten wollen, dann wird dies nur möglich sein, wenn wir von Vergangenheitssubventionen in Zukunftsinvestitionen umschichten können." Diese weisen Worte, die jeder Wirtschaftsexperte ungekürzt unterschreiben würde, sprach der Kanzler jüngst vor der Fraunhofer-Gesellschaft - und verschwand.

Daraufhin kürzte sein Kabinett den Etat von Bundesforschungsministerin Edelgard Bulmahn um 84 Mill. Euro, während Gerhard Schröder gleichzeitig den Hilfe suchenden Bergleuten in den Kohlerevieren mit der Zusage von 15,9 Mrd. Euro eine "Perspektive über das Jahrzehnt hinaus" gab. Die einzig mögliche Interpretation: Der Bundeskanzler als Chefkoch lässt die Küche kalt werden und gibt die Zukunft preis.

Man kann sich schon vorstellen, was der Kanzler und sein Finanzminister auf diesen Vorwurf antworten werden. In Zeiten leerer Kassen würde es weniger zu verteilen geben. Jeder müsse ein Opfer bringen. Die Subventionen für die Steinkohle sollen schließlich bis 2012 um mehr als die Hälfte gekürzt werden. Und man habe letztlich den Bereich der Forschung weniger belastet als zunächst geplant.

Doch reicht das? Nein! Ginge es nur darum, überall Gelder zu sparen - gleichgültig wo -, müsste man die derzeitigen Beschlüsse und Pläne wohl alle als kleine Erfolge feiern. Doch es geht um mehr. Es geht in Sachen Forschung, die Schröder erst kürzlich zur Chefsache erklärte, um die Zukunft unserer wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit. Es geht um die Sicherung des Wohlstands unseres Landes.

Doch die erreicht man nicht allein mit dem Sparkonzept in der Tasche. Das wäre so, als wolle man ein Unternehmen einzig durch die Empfehlungen des Finanzvorstandes zu nachhaltigen Erfolgen führen. Nein, einem Sparkonzept müssen immer auch die richtigen Investitionspläne gegenüberstehen.

Weder ein Unternehmen noch eine Volkswirtschaft, die wie Deutschland ohne wertvolle Rohstoffe auskommen muss, sind jemals in den Genuss großer Prosperität gekommen, ohne vorher die richtigen Investitionen getätigt zu haben. So muss die Frage erlaubt sein, welche Perspektive die Deutschen bis 2012 und darüber hinaus eröffnet bekommen, wenn sie nicht zufällig im Bergbau beschäftigt sind.

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