So seh ich es: Der Kampf um Solidarität

So seh ich es
Der Kampf um Solidarität

Es mag für viele Bürger zunächst einmal aussehen wie das alte Spiel zwischen Gewerkschaften und Arbeitgebern. Beide Seiten stellen Extremforderungen, nähern sich dann nach großen Drohgebärden einschließlich Warnstreiks einander an und einigen sich schließlich auf einen schwer vergleichbaren Mix aus Lohnerhöhung, Einmalzahlung, Arbeitszeit und Vertragslaufzeit.

Doch der begonnene Arbeitskampf von Verdi kann so nicht enden. Hier geht es nicht mehr um bloße Verhandlungsstrategie. Hier geht es um die grundsätzliche Frage, wer in der aktuellen Lage der Republik tatsächlich Anspruch auf Solidarität besitzt: die Steuer zahlenden Bürger oder die Angestellten im öffentlichen Dienst.

Von einem Angestellten im öffentlichen Dienst kann man zwar gewiss nicht verlangen, sich für den Wohlstand seiner Landsleute aufzuopfern. Das wäre geradezu diskriminierend. Doch von einseitigen Opfern kann hier im Allgemeinen nicht die Rede sein.

Es gibt sicherlich Ausnahmen wie etwa Krankenschwestern, bei denen das Verhältnis zwischen Besoldung, Ausbildungsgrad, Verantwortung und Arbeitszeitbelastung schon jetzt den Vergleich mit der freien Wirtschaft nicht zu scheuen braucht. Hier zeigt sich im Übrigen die Unzulänglichkeit einer Riesengewerkschaft, die aus Gründen der Machtkonzentration zu viele Berufszweige unter einen Hut bringen muss.

Von wenigen Ausnahmen abgesehen, geht es im gegenwärtigen Streit also lediglich um eine Angleichung an die in der freien Wirtschaft üblichen Arbeitszeitbedingungen. Und hierauf bestanden Verdi und ihre Vorgänger schließlich auch stets in besseren Zeiten.

Die Erhöhung der Wochenarbeitszeit auf 40 Stunden ohne Lohnausgleich ist in der Privatwirtschaft mittlerweile Standard. Gerade in vielen personalintensiven Branchen und Unternehmen, deren Finanzlage sich in den letzten Jahren zunehmend schwierig gestaltete, wurde eine Verlängerung der Wochenarbeitszeit relativ einsichtig als das kleinste aller möglichen Übel in Kauf genommen. Dies nach dem Motto: "Lieber eine Viertelstunde mehr Arbeit am Tag als weniger Geld oder gar Arbeitsplatzverlust".

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