So seh ich es
Der Minijob als Deregulierungsventil

"Aus dem Hartz-Paket ist nur jene Maßnahme von der Praxis akzeptiert worden, die in Richtung einer Flexibilisierung des Arbeitsmarkts weist."

Es sind nun etwa zwei Jahre vergangen, seitdem die vermeintliche Wundertüte aus dem Hause Hartz mit Vorschlägen angereichert wurde, die Deutschlands Arbeitslosenzahlen auf die Hälfte des damaligen Standes senken sollten. Von einem derartigen Erfolg sind wir heute offensichtlich so weit entfernt, dass sich niemand mehr die Mühe einer Erfolgsbilanzierung macht.

Eine Ausnahme stellt allerdings die Ende 2002 im Vermittlungsausschuss erzielte Einigung auf eine erweiterte Minijob-Regelung dar. Ganz im Gegensatz zu den anderen Hartz-Kategorien hat die seit April letzten Jahres gültige Neuregelung eine enorme Wirkung gezeigt. Drei Monate nach Einführung waren noch 5,7 Millionen geringfügig Beschäftigte registriert, heute sind es bereits 7,5 Millionen. Im Kern ist damit aus dem Hartz-Paket als einzige nur diejenige Maßnahme von der Praxis akzeptiert worden, welche einen spürbaren Schritt in Richtung einer Flexibilisierung des Arbeitsmarkts darstellte.

Nicht zuletzt die hier entmachteten Gewerkschaften, die auf die Minijob-Konditionen keinen tariflichen Einfluss haben, versuchen, den Zuwachs von 1,8 Millionen geringfügig Beschäftigten in einen direkten Zusammenhang mit einem Abbau von 0,5 Millionen regulären, tarifgebundenen Arbeitsplätzen zu stellen und damit den einzigen Erfolg der Hartz-Gesetze schlecht zu reden. Doch bei einem nüchternen Vergleich der Zahlen kann wohl kaum jemand den Nettozuwachs leugnen.

Sicher, ein Teil der regulären Vollzeitjobs wird einer Umwandlung in die günstigeren Minijobs zum Opfer gefallen sein, ohne dass hierfür unbedingt eine wirtschaftliche Notwendigkeit bestand. Das ist zwar nicht gewollt, muss aber als unausweichliche Nebenwirkung jeder wirksamen Medizin hingenommen werden. Auf keinen Fall jedoch sind 0,5 Millionen begehrte Normaljobs in 1,8 Millionen ungewollte Minijobs transferiert worden.

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