So seh ich es
Der Transrapid verdient ein besseres Schicksal

Der tragische Unfall der Magnetschwebebahn auf der Teststrecke im Emsland könnte als letztes Argument gegen eine kommerziell nutzbare Strecke dienen - sollte es aber nicht. Viel zu sehr ist die Geschichte des Transrapid eine Geschichte staatlicher Mutlosigkeit bei der Förderung neuer Technologien.

Welche Ironie des Schicksals: Während der deutsche Verkehrsminister China besucht, um dort für Investitionen in deutsche Technologie zu werben, passiert in der Heimat ein unfassbares Unglück auf der Versuchsanlage des Transrapids. Da China die erste kommerziell genutzte Magnetschwebebahn aus deutscher Hand betreibt, denkt es derzeit über weitere Investitionen nach. Jetzt aber wird die Zukunft der Magnetschwebebahn in Frage gestellt.

Dabei hat uns der Tod von 23 Menschen alle schockiert. Obwohl die Unfallursache nach ersten Untersuchungen menschliches Versagen war, besteht die Gefahr, dass das Vertrauen in die zukunftsweisende Technologie des Transrapids ernsthaft Schaden nimmt. Angesichts der menschlichen Tragödie fällt es schwer, jetzt eine nüchterne Bewertung einzufordern.

Doch trotz allen Mitgefühls sollte der Unfall nicht dazu benutzt werden, sich abermals gegen den Bau einer ersten kommerziell nutzbaren Strecke im Mutterland der Hochgeschwindigkeitsbahn auszusprechen. Eine negative Entscheidung wäre Deutschlands endgültiger Abschied von dieser faszinierenden und zukunftsweisenden Technik.

Denn die bisherige Geschichte des Transrapids eignet sich leider hervorragend dafür, um aufzuzeigen, wie mutlos in der Vergangenheit in Deutschland moderne, zukunftsweisende Infrastrukturpolitik betrieben wurde. Das deutsche Patent, das der Schwebebahn-Technologie zu Grunde liegt, ist bereits 72 Jahre alt. Als in den 70er- und 80er-Jahren das Verkehrsaufkommen und das Umweltbewusstsein deutlich anstiegen, erkannte man das Potenzial des Konzepts und baute schließlich eine Teststrecke.

So weit, so gut. Unverständlich war mir jedoch seit jeher ihre Standortwahl. Die Strecke befindet sich bekanntlich seit über 20 Jahren im Emsland. Dort dient sie nun als eine Art lebensgroße Modelleisenbahn lediglich der touristischen Belustigung von technikinteressierten Besuchergruppen. Der Transrapid wurde eben nicht da gebaut, wo er einen echten Nutzen hätte bringen können und unter realen Bedingungen hätte erprobt und weiterentwickelt werden können. Nicht ohne Grund beschränken sich seither die Schlagzeilen vornehmlich auf die Kosten, die die nutzlose Strecke in Lathen produziert. Der Unfall wird nun die Kritiker noch weiter in ihrer Ablehnung bestärken.

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