So seh ich es
Deutschland, ein Wintermärchen ...

"Politik und Bürger sollten sich zu einer gemeinsamen Kraftanstrengung zusammenschließen, um das Land wieder nach vorne zu bringen."

Der Einzelhandel meldet gute Zahlen. Deutschen und ausländischen Mitbürgern, die in Deutschland leben, sitzt das Geld so locker, wie schon lange nicht mehr. Und gleich geht bei einigen Beobachtern die Phantasie durch. Es gibt ernsthaft Menschen, die in diesen Tagen erleichtert aufatmen und feststellen, dass die Deutschen endlich mal wieder Weihnachtsgeschenke einkaufen und dadurch die Konjunktur ankurbeln. Pünktlich zu Weihnachten, so wollen sie uns glauben machen, sei dann wieder alles gut. Aber ist das wirklich die lang ersehnte Weihnachtsbotschaft 2004 - kauft und seid glücklich?

Gleichzeitig führen wir eine Patriotismusdebatte, bei der jeder Politiker fähnchenschwingend alles, was er gerade tut, mit dem Gütesiegel des Patriotischen versieht: Zum Beispiel die jüngste China-Reise des Kanzlers oder die Opposition und ihre Kritik an der verfehlten Arbeitsmarktpolitik. Wahrscheinlich dauert es nur kurze Zeit, bis Politiker aus Bund und Ländern das Scheitern der Föderalismusreform als patriotische Glanzleistung erklären. Nach dem Motto: Wir schützen Deutschland vor einer klaren Zuordnung der Verantwortlichkeiten.

Nur gut, dass sich die Bürger in dieser vorweihnachtlichen Zeit ihrer eigenen Verantwortung immer noch bewusst sind und dass sie durch viele große und kleine Aktionen der Mitmenschlichkeit die schiefe öffentliche Diskussionen etwa über eine deutsche Leitkultur wieder zurechtrücken.

Mancher Reiche etwa, der das ganze Jahr über seine Steuerlast klagt, sieht in diesen Tagen sein Schicksal wieder relativiert und spendet im Angesicht der Bilder von Not und Elend reichlich. Menschen, die selbst auf jeden Cent achten müssen, beherzigen die Weihnachtsbotschaft und geben noch ein paar Euro für die ganz Armen. Sogar Kinder opfern ihr Taschengeld für Altersgenossen, die nicht wissen, was Taschengeld ist.

Wir alle wünschen uns eine frohe Weihnacht und wollen, dass sich in diesen besinnlichen Tagen alle Menschen, ob arm oder reich, nah oder fern, Christ oder Moslem, wohlfühlen. Dankbar nehmen wir das Gefühl der Zusammengehörigkeit aller Menschen wahr. Das wärmt und schützt. Ist das nicht ein wesentlicher Teil unserer christlichen Leitkultur, von der so oft die Rede ist?

Dazu zählt auch der Unternehmer, der sich über seinen Erfolg freut und seine Mitarbeiter daran teilhaben lässt. Oder die wachsende Zahl von Vermögenden, die über die Errichtung gemeinnütziger Stiftungen nachdenken und Wissenschaft, Kunst oder soziale Projekte fördern, um nicht nur ein gesichtsloses Vermögen, sondern ein persönliches Lebenswerk zu hinterlassen. Oder nehmen wir die vielen Arbeitnehmer, die am Ende eines Jahres einen ehrlich verdienten Stundenlohn als so genannte "children?s hour" spenden, um den Schwächsten unserer Gesellschaft zu helfen. Nicht zu vergessen viele alte Menschen, die sich gegenseitig Zeit statt Geld schenken, weil sie mehr Zeit als Geld haben und weil sie sich auch viel mehr über die Zeit freuen, die ihnen ein Mitmensch schenkt, als über dessen Geld.

Und nicht zuletzt sind da die vielen Mitmenschen, die in gemeinnützigen Organisationen und Vereinen ihren Lebensmittelpunkt gefunden haben und denen ein dankbarer Blick oder ein "Vergelt?s Gott" als Entgeld genügt.

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