So seh ich es
Deutschland muss um Investitionen kämpfen

Die Direktinvestitionen ausländischer Unternehmen sind in Deutschland gesunken. Eine Ursache ist unser Steuersystem: Es bleibt für ausländische Unternehmen ungewöhnlich kompliziert und wirkt deshalb abschreckend. Die Folgen werden spätestens dann schmerzlich zu spüren sein, wenn sich die Weltkonjunktur wieder abkühlt.
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Der Umstand, dass die große Koalition die erste Hälfte ihrer Regierungszeit absolviert hat und nun im so genannten Sommerloch verschwindet, gibt vielen kritischen Beobachtern Anlass, zu resümieren und auf die noch ausstehenden Maßnahmen der zweiten Hälfte hinzuweisen. Glücklicherweise ist die wirtschaftliche Lage Deutschlands nicht mehr so angespannt. Die Konjunktur läuft gut und scheint recht stabil. Die Auseinandersetzungen mit Brüssel um die Einhaltung des Stabilitätspakts sind vom Tisch, die Arbeitslosenzahlen sinken, die Steuerquellen sprudeln. Aber so erfreulich diese Entwicklung auch ist, so schwierig ist es auch, die notwendige öffentliche Aufmerksamkeit für die nach wie vor vorhandenen Defizite und drohenden Gefahren herzustellen.

Nun will ich dem Leser weder die Urlaubsstimmung verderben noch die Zuversicht auf eine langfristig stabile Zukunft der deutschen Volkswirtschaft unnötig eintrüben. Doch schaut man einmal jenseits der aktuellen Arbeitslosen- und Steuerstatistiken auf die inländische Investitionstätigkeit, dann kann man bezüglich der Nachhaltigkeit des gegenwärtigen Aufschwungs schon skeptisch werden. Denn eine unüberwindbare ökonomische Wahrheit bleibt: Die Investitionen in das Vermögen von heute bestimmen das Einkommen von morgen.

Besonders aufschlussreich für die Einschätzung des Investitionsverhaltens ist die so genannte Nettoinvestitionsquote. Diese rechnet die Abnutzung des bestehenden Anlagevermögens heraus und zeigt damit an, wie sich unter dem Strich die Investitionen im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt entwickeln. Für das vergangene Jahr ergibt sich eine Nettoinvestitionsquote von nur 3,3 Prozent. In der zweiten Hälfte der 90er-Jahre betrug sie noch sieben Prozent.

Das zeigt leider deutlich, dass das Vertrauen inländischer wie ausländischer, privater wie professioneller Investoren trotz konjunktureller Belebung zu schwach ausgeprägt ist. Und es wird ebenso deutlich, dass es nicht ausreicht, Deutschlands Situation losgelöst von der Entwicklung anderer Staaten zu beurteilen.

Mögen die vorhandenen strukturellen Vorteile des Standorts Deutschland vor zehn Jahren noch ausgereicht haben, um genügend Kapital im Land zu binden beziehungsweise ins Land zu holen, so konnten viele Staaten mittlerweile ihre Attraktivität für Investoren erhöhen.

Den Bürgern und Unternehmen unseres Landes steht es aus gutem Grund frei, ihr Geld dort zu investieren, wo sie sich am meisten davon versprechen. Das gilt natürlich auch für das Ausland. So stellt sich für die meisten Investoren weltweit heute die einfache Frage, in welchen Ländern sich ihr Kapital am besten verzinst.

Für Privatpersonen etwa ist die Nutzung internationaler Börsen zu einer Selbstverständlichkeit geworden. So kommt es, dass die Bundesbürger dennoch viel sparen - die Sparquote betrug im vergangenen Jahr 10,5 Prozent - und das Gesparte zu beträchtlichen Teilen ins Ausland fließt. Die Abhängigkeit börsennotierter Aktiengesellschaften von den Börsenkursen wiederum sorgt für eine möglichst hohe Ausschüttung der Gewinne, die dann wieder den Weg zur besten Rendite suchen.

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