So seh ich es
Die 40-Stunden-Woche kommt

"Viele Firmen haben mit ihren Betriebsräten und unter stiller Duldung der Gewerkschaften längst Vereinbarungen über längere Arbeitszeiten geschlossen."

Welche Aufregung: Die Industriegewerkschaft Metall einigt sich mit Siemens über die 40-Stunden-Woche in den Handywerken Bocholt und Kamp-Lintfort ohne Bezahlung der Mehrarbeit. Teile des Urlaubs- und Weihnachtsgeldes werden in eine ertragsabhängige Prämie umgewandelt. Das ist ein echter Verzicht.

Durch die Kürzung des Stundenlohns wird die Produktivität der Arbeit entsprechend stark erhöht, um mit dem sich für Siemens anbietenden Standort Ungarn wieder konkurrenzfähig zu werden, ohne dabei jedoch das Monatseinkommen der Beschäftigten kürzen zu müssen. Die erfolgsabhängigen Zusatzleistungen schaffen zudem die notwendige Flexibilität, welche die Arbeitsplätze auch für schlechtere Zeiten sicherer macht.

Diese Lösung ist gut, und sie stellt tatsächlich einen Dammbruch dar. Jeder, der nüchtern den internationalen Standortwettbewerb verfolgt, wusste, dass der Dammbruch irgendwann kommen wird. Und wer die bisherige sture Haltung der IG Metall in Sachen Arbeitszeit verfolgt hat, weiß, dass dieser Einigung mehr als eine der üblichen Drohgebärden der Arbeitgeber zu Grunde gelegen haben muss. Andernfalls hätte es nur die üblichen fruchtlosen Dialoge gegeben.

Die Alternative lag nahe und war klar: Entweder kann Siemens unter den jetzt vereinbarten Bedingungen die Arbeitsplätze in Nordrhein- Westfalen belassen, oder sie werden in eines der neuen osteuropäischen Mitgliedsländer der Europäischen Union verlagert und in Deutschland damit endgültig verloren gehen.

Das wussten die Arbeitnehmer, die jetzt diesem Stundenlohnverzicht zugestimmt haben, genauso wie die Betriebsräte. Und am Ende wussten es auch die Funktionäre in den Gewerkschaften, die bislang weit von einem derartigen Zugeständnis entfernt waren.

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