So seh ich es
Die Demographie ist unerbittlich

Sieht man sich die Bevölkerungsstatistiken an, dann kann man selbst mit dem größten Optimismus nicht mehr daran zweifeln, dass das Rentensystem so wie bisher nicht weiter funktionieren kann. Der Weg zu einer höheren Erwerbsbeteiligung von älteren Menschen führt in allen Fällen über ein ganzes Bündel von Maßnahmen, die mehr sind als eine reine Rentenreform.

Als Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble neulich aus Anlass der demographischen Entwicklung unseres Landes darauf hinwies, dass die geplante Anhebung des Renteneintrittsalters von 65 auf 67 "nicht das Ende der Entwicklung" sein könne, war der öffentliche Aufschrei groß. Entsprechend waren die Reaktionen. "Warum nicht gleich die Rente ganz abschaffen?" war aus der Vorstandsetage des Deutschen Gewerkschaftsbundes zu hören.

Trotz der allzu berechtigten Warnung vor drohender Altersarmut und Sozialabbau verlaufen solche Reaktionen nach einem geradezu klassischen Muster: Der Überbringer schlechter Nachrichten wird geköpft. Wer will es da Politikern noch verübeln, wenn sie stattdessen lieber verkünden, dass die Renten sicher sind.

Denn sieht man sich die Zahlen an, die uns die Bevölkerungsstatistiker seit Jahr und Tag immer wieder vorlegen, dann kann man selbst mit dem größten Optimismus nicht mehr daran zweifeln, dass das Rentensystem so wie bisher nicht weiter funktionieren kann. Im Gegensatz zu vielen anderen Bereichen, in denen unterschiedlichste Grundannahmen am Ende jede gewünschte Statistik hervorbringen, sind die Zahlen zur Bevölkerungsentwicklung der Natur der Sache nach unerbittlich zuverlässig. Hier handelt es sich nicht um Prophezeiungen missgünstiger Sozialpolitiker, sondern um echte Prognosen. Die nicht weiter zu leugnenden Fakten weisen dabei geradezu zwangsläufig auf einen Weg hin, den wir gehen müssen, wenn wir noch rechtzeitig gegensteuern wollen. Der Innenminister weiß das, und Wolfgang Schäuble hat den Mut, es auch in schweren Zeiten laut und klar zu sagen.

Hier sind noch einmal die Fakten. Im letzten Jahr kamen auf 100 Menschen im Alter von 20 bis 65 Jahren 32 Rentner. 2050 werden es genau doppelt so viele Rentner sein, also 100 zu 64. Die einzige Chance ist, sich ehrlich mit diesem so genannten Altenquotienten frühzeitig auseinander zu setzen und daraus die notwendigen Konsequenzen zu ziehen. Nur so können wir die langfristig drohende Altersarmut abwenden.

Dabei wird allein die Anhebung des Renteneintrittsalters auf 67 Jahre nicht ausreichen. Hier gibt Wolfgang Schäuble nur das wieder, was sich aus den Zahlen ergibt. Denn rein rechnerisch müsste das Renteneintrittsalter bis 2050 sogar auf bis zu 75 Jahre angehoben werden, um den Altenquotienten wenigstens auf dem heutigen Stand zu halten. Doch so weit will sicherlich auch der Innenminister nicht gehen. Deshalb denkt Schäuble sicherlich noch an andere Faktoren, die die Rentenkasse schonen könnten.

Auffallend niedrig ist in diesem Zusammenhang die Quote der Erwerbstätigen zwischen 55 und 64 Jahren. Sie betrug in Deutschland vor 30 Jahren noch 50 Prozent. Das entspricht in etwa dem heutigen Durchschnitt der OECD-Länder mit 51 Prozent. Doch aktuell liegt diese Quote bei uns nur noch bei 39 Prozent. Mit anderen Worten: Nicht viel mehr als nur noch jeder Dritte ist in der letzten Dekade vor Eintritt in das gesetzliche Rentenalter überhaupt noch erwerbstätig.

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