So seh ich es
Die Entzauberung einer Galionsfigur

Als der Kanzler im letzten Bundestagswahlkampf mit seinem Latein und in den Umfragen am Ende war, besann er sich eines noch frischen Ritters ohne Furcht und Tadel: Peter Hartz?, eines Wegbegleiters aus der Wirtschaft aus niedersächsischen Zeiten.

Hartz erschien auf der politischen Bühne wie ein Wunderdoktor, der ungeachtet der bis dato gescheiterten Versuche auf dem Arbeitsmarkt entschlossen war, endlich den ersehnten Zaubertrunk für die Lösung des Problems mit sämtlichen notwendigen Zutaten zu versehen. Dies einzig mit dem Ziel, des Kanzlers altes Antrittsversprechen einzulösen und die Arbeitslosenzahlen endlich zu halbieren.

Gleichsam wie ein Magier holte er sodann - unterstützt von Hundertschaften an Fachleuten, Beratern und Handlangern - ein Kaninchen nach dem anderen aus dem Hut und verpackte sie in glänzende Stoffe mit schönsten Schleifen. Nachdem er diese harte Arbeit verrichtet hatte, trat er schließlich nicht ohne Stolz vor das Volk und verkündete: "Heute ist ein guter Tag für die Arbeitslosen."

Möglicherweise hatten die Arbeitslosen und jene, die Angst hatten, solche zu werden, auf Grund dieser Magic Show vor zwei Jahren tatsächlich einen guten Tag. Die Zeit danach war allerdings nicht mehr so gut. Die Arbeitslosenzahlen sind, wie man weiß, entgegen allen Beteuerungen nicht gesunken. Im Endeffekt haben uns die blendenden Verpackungskünste des Herrn Hartz lediglich viel Zeit gekostet.

Von seinen großen, verheißungsvollen Paketen blieben am Ende nur die alten Wahrheiten übrig: Wir leben über unsere Verhältnisse, sind in Sachen Freizeit und Wochenarbeitszeit unmäßig, erdrücken das Unternehmertum und verlieren in der Kombination von zu hohem Konsum und zu niedrigen zukunftssichernden Investitionen unsere internationale Wettbewerbsfähigkeit - und mit ihr unsere Arbeitsplätze.

Wie wahr das ist, zeigt sich derzeit in der Automobilbranche und damit eben auch bei der Volkswagen AG, jenem Konzern, in dem Peter Hartz als Personalvorstand nach wie vor die Verantwortung für Anzahl und Bedingungen der Arbeitsplätze seines Unternehmens trägt. VW steht wie alle deutschen Automobilhersteller gewaltig unter Kostendruck. Jetzt ist der Verpackungskünstler in der eigenen Manege gefragt. Nun stellt sich heraus, dass auch VW nicht nach anderen Maßstäben wirtschaften kann als die übrigen Anbieter.

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