So seh ich es
Die falsche Debatte

Die Republik hat ein weiteres Diskussionsthema. Diesmal ist es der Investivlohn. Der Investivlohn ist ein Lohnbestandteil, der als Beteiligung am Produktivvermögen an die Mitarbeiter ausgegeben wird. Er bleibt als Eigenkapital im Bestand des Unternehmens. Doch auf erzwungener Basis ist der Investivlohn nur bedingt brauchbar.

Das Thema nun alles andere als neu. Viele Leser werden die immer wiederkehrende Diskussion schon seit Jahrzehnten kennen. Der Investivlohn ist ein Lohnbestandteil, der nicht bar ausgezahlt wird, sondern als Beteiligung am Produktivvermögen an die Mitarbeiter ausgegeben wird. Er bleibt als Eigenkapital im Bestand des Unternehmens.

Eine solche Lohnpolitik hätte zwei verlockende Vorteile. Erstens würden die Angestellten automatisch von einer guten Konjunktur und einer guten Performance ihres Unternehmens profitierten. Damit würde die Beteiligung am Unternehmenserfolg auch die Interessen von Arbeitnehmern und Kapitaleignern stärker harmonisieren. Und zweitens könnten die Unternehmen Liquidität schonen, den Lohnkostendruck senken und die Eigenkapitalquote erhöhen.

Jetzt, wo die konjunkturelle Lage so gut wie schon lange nicht mehr ist, hält die große Koalition die Zeit für reif, nach dreißigjähriger Debatte die Idee endlich umzusetzen. Bundeskanzlerin Angela Merkel meint, wir müssten Wege für mehr Beteiligungsgerechtigkeit finden. Dahinter steckt offenbar die Überlegung, dass die Globalisierung in der Tendenz Arbeitnehmer belastet und Kapitaleigner begünstigt. Will man die positiven Effekte der Globalisierung daher auch den Arbeitnehmern zugute kommen lassen, muss man sie am Kapital beteiligen.

So weit sind die Ziele der Regierung sicherlich edel. Das Mittel der Wahl aber ist nur auf den ersten Blick clever. Der Investivlohn birgt nämlich schwer wiegende Nachteile. Der wichtigste ist die Insolvenzgefahr. Wenn ein Arbeitnehmer am Unternehmen, das ihn beschäftigt, beteiligt wird, trifft es ihn im Insolvenzfall gleich doppelt hart - er verliert sowohl seinen Arbeitsplatz als auch sein Beteiligungsvermögen.

Was also vor 30 Jahren noch eine gute Lösung gewesen wäre, ist heute in Zeiten der Globalisierung weniger geeignet, ja sogar überflüssig. Damals, im Industriezeitalter, war es noch normal, dass ein Arbeitnehmer vom Unternehmen, das ihn einmal angestellt hatte, auch in den Ruhestand verabschiedet wurde. Fortbestand und Wachstum insbesondere von Großunternehmen waren geradezu selbstverständlich. In dieser Zeit hätte der Investivlohn wohl Sinn gemacht. Im hoch dynamischen Zeitalter der Globalisierung macht er es aber nicht mehr.

Statt also auf die veränderten Zeiten und Umstände Rücksicht zu nehmen und endlich von dieser Idee abzulassen, wärmt man sie nun wieder auf und sucht sogar unter den veränderten Rahmenbedingungen umständlich nach Lösungen für einen Gläubigerschutz.

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