So seh ich es
Die Leistungsreserven einer Bürgergesellschaft

In der vergangenen Woche schrieb ich von der "Wiederentdeckung der Arbeit". Generell gilt: Deutschland muss seine Leistungsreserven auf allen Ebenen aktivieren, um Wohlstand und soziale Gerechtigkeit für die Zukunft bewahren zu können.

Gerade im sozialen und öffentlichen Bereich gibt es prinzipiell einen recht großen Bedarf an zusätzlichen Leistungen. Doch es klafft eine Lücke zwischen dem, was dringend benötigt wird, und dem, was sich unsere Gesellschaft finanziell auch leisten kann.

Diese Problematik schlägt sich voll in unseren Sozialsystemen nieder. Mit dem Gesellschaftsmodell, das für die vergangenen Jahrzehnte Gültigkeit besaß, lässt sich diese Kluft nicht mehr schließen.

Dies ist kein spezielles Problem Deutschlands. Es betrifft mehr oder minder das ganze Europa und wird in dem einen Land früher, in dem anderen später sichtbar werden. Und das liegt im Wesentlichen an den demographischen Daten unseres Kontinents.

Wie aus dem Weltbevölkerungsbericht für das vergangene Jahr hervorgeht, ist Europa die einzige Weltregion, deren Bevölkerungsbestand schrumpft. Deutschlands Reproduktionsrate stellt mit rund 1,4 zwar nicht Europas Schlusslicht dar, ist aber auf nicht absehbare Zeit weit von der Rate zwei, die den Status quo bewahren würde, entfernt.

Das bedeutet, dass das Durchschnittsalter massiv steigen und das Verhältnis von alten, erwerbswirtschaftlich nicht mehr aktiven Menschen und jüngeren Erwerbstätigen sich stark verschlechtern wird. Das Renten- und Pensionsaufkommen wird steigen, das Lohn- und Einkommensteueraufkommen wird sich verringern. Und das schon jetzt kollabierende Gesundheits- und Pflegesystem gerät durch die Überalterung gänzlich aus den Fugen.

In der vergangenen Woche hat denn auch der höchste Mann im Staat, Bundespräsident Horst Köhler, dazu aufgerufen, die Folgen des demographischen Wandels ernst zu nehmen. Man müsse angesichts der nicht zu leugnenden Daten bessere Rahmenbedingungen für junge Menschen schaffen. Man solle helfen, ihren Kinderwunsch zu erfüllen, viel in die Bildung investieren und den Lebenswünschen gerade besonders qualifizierter junger Menschen stärker Rechnung tragen.

Recht hat der Bundespräsident. Doch er weiß auch, dass selbst für den derzeit unvorstellbaren Fall einer Erhöhung der Geburtenrate um 50 Prozent es Jahrzehnte dauern wird, bis die demographische Lücke überwunden ist. Notwendig bleibt ein bürgerschaftliches Engagement insbesondere der wachsenden Bevölkerungsgruppe der Senioren.

Seite 1:

Die Leistungsreserven einer Bürgergesellschaft

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%