So seh ich es
Die Wiederentdeckung der Arbeit

Es gibt sie noch, die Kritiker der Arbeitszeitverlängerung. Doch verliert sich ihr Ruf mittlerweile in den Weiten und Wirren des Landes. Inzwischen bahnen sich die wirtschaftlichen Zwänge unerbittlich ihren Weg.

Im vergangenen Jahr setzten bereits Siemens und Daimler-Chrysler die 40 Stunden Woche durch. Jetzt haben es ihnen die Konzerne Philips und C&A gleichgetan. Viele Unternehmen sind dem Trend der Großen bereits gefolgt, wenn nicht sogar vorausgeeilt. Viele weitere werden noch folgen.

Und auch die Beamten werden nicht mehr geschont. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) ermittelte sogar schon eine durchschnittliche Wochenarbeitszeit deutscher Arbeitnehmer - einschließlich der unbezahlten Überstunden - von 42,8 Stunden in den alten und 44,2 Stunden in den neuen Bundesländern.

Das sieht schon anders aus als noch vor wenigen Jahren, in denen sich Deutschland den zweifelhaften Ruf als Weltmeister in Sachen Freizeit einfing. 1995 setzte die IG Metall gerade die 35-Stunden-Woche durch. Mit den üblichen Urlaubs- und Feiertagen kommt man hier zu Lande mittlerweile auf rund acht Wochen bezahlten Urlaub. Auch in Sachen Lebensarbeitszeit wurde lange Zeit keine Gelegenheit zur individuellen Verkürzung ausgelassen. Da fragte sich jeder, wo das eigentlich hinführen soll. Heute wissen wir es: Der Traum von einem Leben mit immer weniger Arbeit hat sich ausgeträumt oder ist für viele gar zum reinsten Albtraum geworden.

Natürlich ist die stetige Verkürzung der Wochenarbeitszeit, die über die Jahre hinweg mit einer regelmäßigen Wohlstandssteigerung einherging, nicht der einzige Grund für die deutsche Krise. Und sowenig wie die aus den Arbeitszeitverkürzungen bei vollem Lohnausgleich resultierenden hohen Stundenlöhne der einzige Grund für unsere wirtschafts- und sozialpolitischen Probleme sind, so wenig wird kurzfristig allein die Änderung der Tarifabschlüsse etwas an der schwierigen Lage ändern können. Trotzdem hat die maßlose Verkürzung der Arbeitszeit einen gehörigen Teil dazu beigetragen, dass die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland stetig weiter gesunken ist. Insbesondere die Sockelarbeitslosigkeit im unteren Lohnbereich ist langfristig gestiegen.

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