So seh ich es
Dynamischer Arbeitsmarkt

Aufstieg und Niedergang von Branchen, Unternehmenswachstum und Insolvenzen, Einstellungen und Entlassungen von Angestellten: Die Dynamik einer Marktwirtschaft ist ein Prozess von Schöpfung und Zerstörung. Ihr Erfolg hängt von der Anpassungs- und Innovationsfähigkeit ihrer Akteure ab.
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Es bleibt wohl eine unabänderliche Tatsache: In Wirtschaft und Politik verbreiten sich negative Nachrichten weitaus besser als positive. Vermutlich ist es diesem Umstand geschuldet, dass sich die aktuelle Politik um das Thema "Bezugsdauer des Arbeitslosengeldes I" dreht, anstatt sich von den hoffnungsvollen Zahlen zum Rückgang der Arbeitslosigkeit leiten zu lassen.

Gewiss, betrachtet man, wie dies in der Mediengesellschaft ja häufig geschieht, immer nur betroffene Einzelschicksale sowie spezielle Branchen und Unternehmen, so mag man den Eindruck gewinnen, es ginge auf dem Arbeitsmarkt generell stetig bergab. Doch objektive Statistiken, welche nicht nur isoliert den Stellenabbau darstellen, sondern auch alle Neueinstellungen registrieren, beweisen das Gegenteil.

So übertrafen innerhalb der ersten neun Monate dieses Jahren die in Deutschland aktuell geplanten Einstellungen den geplanten Stellenabbau um mehr als das Doppelte. Das sollte uns eigentlich Mut machen und aus der Defensive holen.

Auch der Lehrstellenmarkt ist wieder in Schwung geraten. Bis Ende September wurden in Industrie, Handel und Handwerk über 40 000 Ausbildungsplätze mehr geschaffen als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Damit hat sich die häufig beklagte rechnerische Lehrstellenlücke von 34 100 im vergangenen Jahr auf nur noch 10 700 verringert. Doch wir sehen das Glas lieber halbleer als halbvoll. Anstatt dies alles als äußerst positive und hoffnungsvolle Entwicklung wahrzunehmen, wird immer wieder das bedrohliche Gespenst von Globalisierung und Marktwirtschaft, das uns geheimnisvolle und unlösbare Gefahren beschere, heraufbeschworen.

Ich bezweifle, dass dies noch im Rahmen einer gesunden kritischen Haltung liegt. Ich befürchte hingegen, dass wir dadurch eine Stimmung erzeugen, die der Wahrung unseres Wohlstands geradezu entgegenwirkt. Tatsache ist jedenfalls, dass der Wohlstand mittlerweile viel weniger von zu geringer Nachfrage am Arbeitsmarkt als vielmehr von einem zu geringen Arbeitsangebot bedroht wird.

Das Institut der deutschen Wirtschaft bezifferte die Zahl der offenen Stellen zuletzt auf 1,6 Millionen. Es ist also keinesfalls so, wie immer wieder suggeriert wird, dass uns quasi die Arbeit ausgehen würde. Was nicht mehr im ausreichenden Maße vorhanden ist, sind stattdessen die Fachkräfte. Es ist für ein Unternehmen nun einmal wenig sinnvoll, jemanden einstellen, dessen Eignungsprofil nicht auf das Stellenangebot zugeschnitten ist.

Die unbestreitbaren Vorzüge einer Marktwirtschaft kommen nur durch die darin liegende wirtschaftliche Dynamik zustande. Und diese wiederum hinterlässt unweigerlich gegenläufige Spuren: sowohl Aufstieg als auch Niedergang von Branchen, Unternehmenswachstum ebenso wie Insolvenzen, Einstellungen genauso wie Entlassungen von Angestellten.

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