So seh ich es: Gebührend studieren

So seh ich es
Gebührend studieren

Wieder einmal sind es die Verfassungsrichter, die den ängstlichen Politikern das Geschäft abgenommen, oder, besser gesagt, zugeteilt haben. Die Hochschulreform, die die Politik nicht hinbekommt, hat nun das Bundesverfassungsgericht mit seiner jüngsten Entscheidung auf den Weg gebracht.

Ohne sein aktuelles Urteil zu den Studiengebühren kommt die Reform in der Hochschulpolitik nicht in Gang. Die zurückgewonnene Freiheit darf nun nicht als Problem des Länderfinanzausgleichs und irgendwelcher neuen hochbürokratischen Ausgleichszahlungen diskutiert werden. Man muss sie stattdessen als Chance für eine stärkere Autonomisierung der Universitäten sehen.

Ich habe nie akzeptieren können, dass man im Bereich des staatlichen Bildungsangebots für Erwachsene den Wettbewerbsfaktor derartig lahm gelegt hat. Wettbewerb ist auch hier das Mittel der Wahl, das einen heilsamen Verbesserungsprozess bewirkt. Selbst wenn alle SDP-regierten Länder sich tatsächlich geschlossen gegen die Studiengebühr entscheiden, wird sich relativ schnell herausstellen, welche Variante vielversprechender ist. Und die wird sich schließlich durchsetzen.

Doch ein paar Dinge sollten dabei unbedingt beachtet werden. Der gemeinsame Schwur aller Parteien, mehr Mittel für Bildung, Wissenschaft und Forschung auszugeben, verbietet es zunächst, die Gebühren missbräuchlich zur Aufbesserung der öffentlichen Länderhaushalte zu nutzen. Diese Gefahr besteht, weil nach geltendem Recht die eingenommenen Studiengebühren nicht an die jeweilige Hochschule, sondern an das Land fließen. In diesem Fall würde die Gebühr das Studium nur verteuern, ohne dass auf der anderen Seite zusätzliche Leistungen entstünden. Eine Verbesserung der individuellen Betreuung würde nur durch die eigentlich ungewollte Senkung der Studienquote, die im internationalen Vergleich ohnehin schon viel zu niedrig ist, erreicht.

Die Universität, die Studiengebühren erhebt, sollte das Geld daher in jedem Fall zusätzlich und nicht substituierend für Landesmittel verwenden können. Die Länder müssen folglich die gewonnene Freiheit an ihre Universitäten weitergeben. Diese brauchen nicht nur mehr Geld, sondern auch mehr Gestaltungsspielraum.

Dann und nur dann wird ein echter Wettbewerb der Hochschulen das Angebot qualitativ verbessern. Universitäten wären in einem viel höheren Maß als bislang dazu angehalten, aktiv um Studenten zu werben. Und je vielversprechender ihr Ausbildungsangebot ist, desto leichter ließen sich auch höhere Gebühren rechtfertigen. Für den einzelnen Studenten wiederum kann sich der Abschluss an einer teuren, aber renommierten Hochschule später auf dem Arbeitsmarkt als gute Investition erweisen.

Wenn Universitäten nun jedes Semester Geld in nicht unbeträchtlicher Höhe von ihren Studenten einfordern, so werden diese umgekehrt auch vehementer nach einer guten Ausbildung und Betreuung verlangen. Schon Adam Smith verwies in seinem berühmten Werk "Der Wohlstand der Nationen" auf diesen Zusammenhang. Eine Studiengebühr bewirkt wie in allen anderen marktwirtschaftlichen Dienstleistungsbeziehungen über Nachfrage und Angebot eine Preisstruktur für unterschiedliche Qualitäten. Die geforderten Spitzenuniversitäten etwa würden dann vermutlich auch bei Spitzenpreisen landen. So entstehen übrigens Eliteuniversitäten und nicht durch bürokratische Auswahl.

Natürlich kommt jetzt Kritik auf, dass auf diese Weise Abiturienten aus ärmeren Verhältnissen ein Studium zumindest an einer Spitzenuniversität faktisch verwehrt würde. Dem müssen Stipendienprogramme, die die Universitäten selbst unter Benutzung ihrer neuen Finanzautonomie entwickeln können, begegnen. Dass damit laufende Leistungsprüfungen der Studenten verbunden sind, rechtfertigt sich von selbst. Außerdem sollte, solange noch keine ausreichenden Erfahrungen für die Bemessung vorliegen, eine vernünftige Höchstgrenze für Studiengebühren festgelegt werden.

Man muss auch darüber hinaus dafür Sorge tragen, dass sich niemand nur der Finanzierung wegen gegen ein Studium entscheidet. Hierzu scheint es mir unumgänglich, jedem jungen Menschen, der ein Studium beginnen will, ohne Rücksicht auf soziale Herkunft und ohne Bonitätsprüfung auf Wunsch ein günstiges Darlehen für die Begleichung der Gebühren eines Erststudiums zu gewähren. Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) hat bereits ein konkretes Angebot zur Kreditversorgung von Studenten gemacht. Auch andere Banken haben schon Interesse angemeldet und werden folgen - zumal hier teilweise öffentliche Bürgschaften angebracht sind.

Man mag selbst diese Art finanzieller Belastung bei der Entscheidung für ein Studium noch bedauern. Doch sie bewirkt gleichzeitig eine Studienwahl, die sich stärker am Arbeitsmarkt orientiert. Das wird etwa die Arbeitslosenquote bei Akademikern deutlich senken.

Und zu guter Letzt entlastet der Akademiker, der nach allen Untersuchungen auf der Grundlage seines Studiums deutlich mehr verdient, die übrigen Steuerzahler, indem er dann einen etwas größeren Teil seiner mitunter hohen Ausbildungskosten selbst trägt. Doch das kann wohl kaum als unsozial gewertet werden.

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