So seh ich es
In der Schuldenfalle

Der Wunsch nach einem schnellen Ende der deutschen Wirtschaftskrise beschwört wieder die alten Geister herauf. Als Argumentationshilfe dient zurzeit unser Nachbar Frankreich, dessen Wachstumsraten seit 1995 immer über den unsrigen lagen. Seit Ende letzten Jahres, als sich die Wachstumslinien beider Nationen kurzzeitig fast berührten, driften ihre Werte wieder auseinander.

Der Grund dafür scheint im inländischen Konsum zu liegen. Der hat in Deutschland seit 2002 nur in sehr geringem Maße zugenommen. In Frankreich hingegen lag das Wachstum auf Grund verschiedener wirtschaftspolitischer Maßnahmen bei 1,5 Prozent und wird wohl weiter auf 1,7 Prozent steigen.

Aus diesem Vergleich zieht etwa Joachim Volz vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) die Lehre: "Frankreich ist das beste Beispiel dafür, dass noch weitere Lohnzurückhaltung nichts bringt." Ein Lohnzuwachs im Rahmen der Produktivitätssteigerung sei vertretbar. Deutschland liege deutlich darunter.

Dem muss man zunächst einmal Folgendes erwidern: Die permanente Ausschöpfung der Produktivitätszuwächse trägt einen gehörigen Anteil der Verantwortung dafür, dass in Deutschland die Arbeitslosigkeit im unteren Lohnsektor stetig zugenommen hat. Anstatt Unternehmern durch die Beibehaltung einer gewissen Differenz Anreize zu Neuanstellungen zu geben, hat man sie bei jeder Tarifrunde gezwungen, die Rationalisierungsschraube anzuziehen. Dies mit Blick auf die hohe Arbeitslosigkeit einmal nicht zu tun, ist sicherlich kein Fehler. Eine Wirkung wird das freilich erst mit der Zeit haben können.

Des Weiteren ist bekannt, dass der Konsum sich nicht einfach auf Grund einer leichten Lohnerhöhung steigern lässt. Gerade Keynesianer müssten wissen, dass der alles entscheidende Faktor nicht der Geldbeutel der Menschen ist. Es sind letztendlich die Erwartungen der Verbraucher, die über eine Erhöhung der privaten wie auch gewerblichen Ausgaben entscheiden. Solange wir aber unsere Probleme nicht mit glaubwürdigen Reformen angehen, wird es auch nicht mehr Konsum geben.

Um allerdings in verschiedenen unter Druck geratenen Industriezweigen durch Lohnkürzungen keine Ausbremsung des laufenden Konsums zu bewirken, war meine Empfehlung immer, nicht den Monatslohn zu kürzen, sondern die Wochenarbeitszeit zu erhöhen. Ich halte das nach wie vor für einen guten Ansatz, der sich ja auch bei der Lösung vieler Probleme zunehmend abzeichnet.

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