So seh ich es
Industriepolitik ist keine Innovationspolitik

Wer mehr Dynamik bei der Suche nach neuen Lösungen schaffen will, darf Wirtschaft und Wissenschaft keine straffen Zügel anlegen.

HB DÜSSELDORF. So uneinig sich Regierung und Opposition in vielen Fragen der Sozialreformen sind, so einig scheinen sie zu sein, wenn das vor Kraft und Zukunft strotzende Wort Innovation auftaucht. Innovation ist gut, Innovation bringt uns voran, macht uns reich und einzigartig. Die politische Schlussfolgerung heißt schnell, dass Innovation unbedingt gefördert werden muss.

Doch da melden sich schon die ersten ernst zu nehmenden Kritiker zu Wort: Hände weg von einer Innovationsförderung, sonst wird alles nur noch schlimmer! Was soll man damit nun anfangen? Haben wir jetzt noch ein weiteres bewegliches Ziel auf der politischen Agenda, das uns die notwendige Orientierung versagt? Nein, die Auseinandersetzung basiert auf einem falschen Verständnis von Innovation und deren Förderung.

Man kann berechtigterweise jede Technologie, jedes Produkt oder Produktionsverfahren, die erfolgreich am Markt eingeführt werden konnten, als Innovationen bezeichnen - zumindest solange sie noch relativ neuartig waren. Die Hürde der Markteinführung ist quasi der Test für einen neuen Lösungsversuch, ob es sich denn tatsächlich um etwas Besseres handelt oder nicht. Der Prozess der Durchsetzung am Markt ist die eigentliche Innovationsleistung. Die hohe Ungewissheit und das allgemeine Beharrungsvermögen machen sie zu einer risikoreichen und beschwerlichen Tat. Allein die Idee zu einer neuen Lösung, sprich die reine Erfindung, verdient den Namen Innovation dagegen noch nicht.

Wenn man also über Innovationsförderung diskutiert, sollte man nicht den beliebten Fehler machen und meinen, es müsse um die Förderung bestimmter Technologien, Produkte oder gar Firmen gehen. Eine so verstandene Maßnahme wäre nichts anderes als die so genannte Industriepolitik. Diese steht für hohe Subventionen, welche an Unternehmen überwiesen werden, die von Behörden auserwählt wurden. Doch das verzerrt letzten Endes nur den Wettbewerb und steht zu Recht in der aktuellen Kritik. Wer aber begriffen hat, dass Innovation eigentlich nicht einen Zustand, sondern einen Prozess bezeichnet, in dem es darum geht, neue Lösungen - Produkte wie Herstellungsmethoden - marktgängig zu machen, der darf deren Durchsetzung gerade nicht einer staatlichen Behörde überlassen.

Der Vorteil des Kapitalismus besteht ja darin, dass die Auswahl über die Konkurrenz auf dem Kapitalmarkt, dem Arbeitsmarkt und natürlich dem Produktmarkt erfolgt. Läuft alles rechtmäßig, fließt das Geld dorthin, wo die besten Lösungen warten. Dass die Fülle der dafür notwendigen Informationen aber niemals von einer Behörde zentral bewältigt werden kann, hat u. a. das Scheitern des Sozialismus gezeigt.

Doch jenseits einer falsch verstandenen Innovationspolitik, die selektiv bestimmte Technologien fördert, gibt es sehr wohl Möglichkeiten, den Innovationsprozess als solchen, dessen Protagonist der klassische Unternehmer ist, zu begünstigen. Konsensträchtig ist zunächst einmal die Forderung nach Abbau bürokratischer Hemmnisse und lähmenden Verwaltungsaufwands. Wer mehr Dynamik bei der Suche nach neuen Lösungen schaffen will, muss die Zügel schon locker lassen. Wenn sich diese Erkenntnis endlich auch bei Politikern, die oft nur in den Kategorien der Gängelung und Kontrolle denken, durchsetzt, wäre schnell viel erreicht - und zwar bei gleichzeitigem Einsparen von Steuergeldern.

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