So seh ich es
Innovation ist mehr als Forschung

Unbestritten ist die Bedeutung von Forschung und neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen für Wirtschaft und Wachstum. Doch für Innovationen braucht man auch Unternehmer: Deutschland muss unbedingt die Kooperation von Hochschulen und Firmen stärker ausbauen.
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Wer die Innovationstätigkeit einer Volkswirtschaft erhöhen will, verweist als Erstes auf deren Ausgabevolumen für Forschung und Entwicklung. Auch die Mitgliedstaaten der EU haben sich im März 2000 das Ziel verordnet, bis 2010 mindestens drei Prozent des jeweiligen Bruttoinlandsprodukts für Forschung und Entwicklung auszugeben.

Aber abgesehen davon, dass Deutschland insbesondere durch zu geringe staatliche Budgets noch meilenweit von jenem Ziel entfernt ist, bleibt in dieser Logik grundsätzlich unberücksichtigt, dass die neuen Erkenntnisse, die sich in den Köpfen der Forscher, in Büchern und Berichten befinden, erst einmal ihren Weg in die kommerzielle Umsetzung finden müssen, bevor sie sich in wirtschaftlichen Wachstums- und Wohlstandskennzahlen bemerkbar machen können. Erst dieser Umsetzungsprozess ist schließlich das, was die Bezeichnung Innovation verdient. Und erst die Innovationen sind es, die neue, gut bezahlte Arbeitsplätze und Wohlstand hervorbringen.

Für Innovationen braucht man daher auch Unternehmer, die mit Überzeugungskraft und großem wirtschaftlichem Gespür eine Idee oder Erfindung zu einem neuen marktfähigen Produkt oder einer neuen überlegenen Lösung machen. Sofern es um die Forschungsaktivitäten innerhalb der Privatwirtschaft geht, darf man annehmen, dass die Unternehmen aus Eigeninteresse die Möglichkeiten der kommerziellen Verwertung neu gewonnener Erkenntnisse weitgehend ausschöpfen. Das gilt jedoch für staatliche Forschungsinstitute und Hochschulen nicht. Hier ist eine Kooperation zwischen Wirtschaft und Wissenschaft sehr hilfreich. Die Industriegeschichte hält dafür genügend Beispiele bereit. Im Falle Deutschlands denke man nur an die Automobil-, Pharma- oder Optikindustrie, an Persönlichkeiten wie Gottlieb Daimler und Carl Benz, Robert Koch und Emil von Behring, Ernst Abbe und Carl Zeiss, um nur die Prominentesten zu nennen. Ihnen ist es in Kooperation von Wissenschaft und Wirtschaft gelungen, aus grundlegenden wissenschaftlichen Entdeckungen handfeste Produkte zu entwickeln, die die Wirtschaft revolutioniert haben und unserem Land noch heute zu Wohlstand verhelfen.

Was die Innovationsintensität der deutschen Volkswirtschaft angeht, so gehörten wir im weltweiten Vergleich lange Zeit zur absoluten Spitzenklasse. Und wir haben immer noch zahlreiche innovative Weltmarktführer. Verschiedene Studien der letzten Jahre zeigen allerdings, dass Deutschland etwa seit zwei Jahrzehnten in der Gesamtbetrachtung ins Mittelmaß abrutscht. Die Ursachen für diesen Abstieg, der uns Wohlstandseinbußen kosten wird, sind nicht einfach ein Rückgang der wissenschaftlichen Erfindungsrate. Es gibt sogar einige konkrete Beispiele, wo zwar Erfindungen im deutschen Wissenschaftsbetrieb gemacht wurden, diese dann aber nicht hierzulande umgesetzt und vermarktet wurden. Bekannt ist wohl das Beispiel vom MP3-Format, das weltweit die Musikindustrie revolutionierte. Erfunden wurde es im deutschen Fraunhofer-Institut und der Universität Nürnberg-Erlangen, vermarktet aber haben es erst zehn Jahre später Unternehmen anderer Länder.

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