So seh ich es
Innovation und Markteroberung

Wer über Wirtschaftswachstum und Steigerung des Wohlstands spricht, der weiß heute, dass er nicht an dem Thema "Innovation" vorbeikommt. Und so taucht diese Vokabel auch in jeder Sonntagsrede und jeder Expertise in diesem Bereich auf. Forderungen wie "Wir brauchen mehr Innovationen" werden gerne formuliert. Aber selten wird deutlich, was dazu genau erforderlich ist.

Häufig kann man den Eindruck gewinnen, dass so manchem Mahner selbst gar nicht klar zu sein scheint, was er da eigentlich einfordert. Taucht man etwas tiefer in die Thematik ein, dann trifft man auf einen umfassenden gesellschaftlichen Prozess. Und wenn wir wirklich wissen wollen, wo sich Deutschland im internationalen Vergleich befindet, müssen wir die vorhandenen Daten sehr genau prüfen und kritisch analysieren.

Da wären zunächst die Ausgaben für Forschung und Entwicklung. Diese sind durchaus ein wichtiger Indikator für die Innovationskraft eines Landes. Doch entgegen einer weit verbreiteten Ansicht spiegelt der Forschungsaufwand keineswegs direkt die Innovationsaktivitäten wider. Das liegt nicht nur an der Tatsache, dass derjenige, der viel Geld für Forschung ausgibt, nicht automatisch auch viel erfindet und entdeckt, auch wenn da ein genereller Zusammenhang natürlich nicht geleugnet werden kann. Entscheidender ist vielmehr die Tatsache, dass längst nicht alles, was erfunden und entdeckt wird, wirtschaftlich auch verwertet wird.

Gewiss, die Invention, also die Erfindung, steht am Anfang eines Wirtschaftsprodukts. Vom Auto über Aspirin bis zum Atomkraftwerk waren es wissenschaftliche Forschungsergebnisse, die den Aufbau ganzer Industrien erst möglich machten. Doch die eigentliche Innovation bestand nicht in der Erfindung, sondern in der Markteroberung.

Wer nimmt sich einer Erfindung an, wer sorgt für eine marktgerechte Produktentwicklung, wer baut ein Fertigungswerk, standardisiert das Herstellungsverfahren, sorgt für qualifizierte Mitarbeiter, für geeignete Bezugsquellen und vor allem für die Absatzwege. Und last, but not least: Wer sorgt für die Finanzierung der notwendigen Investitionen?

Genau diese Veränderung der industriellen Produktionsstruktur ist der eigentliche Kern des Innovationsprozesses. Er ist schwieriger und hürdenreicher, als man gewöhnlich denkt. Und er birgt stets objektiv hohe Risiken, weil naturgemäß auf neuen Wegen die speziellen Erfahrungen fehlen. Doch es ist trotz der hohen Risiken wirtschaftlich insgesamt sinnvoll, durch eine hohe Innovationstätigkeit neue wachsende Märkte zu beherrschen. Dort wird nämlich nicht nur ein außergewöhnlicher Gewinn erzielt, sondern es werden auch hohe Gehälter für qualifizierte Angestellte gezahlt.

Wie sieht es nun aus dieser Perspektive mit der Innovationstätigkeit in Deutschland aus? Das Institut der deutschen Wirtschaft in Köln (IW) veröffentlichte im vergangenen Jahr ein Benchmarking für Innovation. Damit wurde versucht, die Komplexität des gesamten Innovationsprozesses besser einzufangen. Mit einem Wert von 42 von 100 möglichen Punkten erreichte Deutschland unter 16 Ländern nur den elften Rang. Platz eins ging mit 78 Punkten an die USA, gefolgt von Großbritannien, Schweden und Finnland. Deutschlands Ausgaben für Forschung und Entwicklung sind dabei gar nicht so weit vom Gewinner des Rankings, also den USA, entfernt.

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