So seh ich es
Investitionen statt Fondstricksereien

Trotz aller Irritationen auf den Geld- und Kapitalmärkten boomt die deutsche Wirtschaft. Das ist vor allem dem Wachstumsmotor Export zuzurechnen. Noch weisen uns die Zahlen als Exportweltmeister aus. Auch die Halbjahreszahlen sowie die Auftragseingänge, die schon einen Blick auf das zweite Halbjahr zulassen, sind befriedigend.
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Unsere Banken und deren Aufsichtseinrichtungen sind allerdings mehr mit der Lösung der Folgeprobleme der amerikanischen Immobilienkrise beschäftigt als mit der Beschaffung von Finanzmitteln für die Expansion unserer Wirtschaftsunternehmen. Das ist bedenklich.

Und weist schon auf eine gewisse Problematik im Investitionsverhalten hin. Es fällt nämlich auf, dass gegenwärtig einige große deutsche Unternehmen überlegen, ob sie nicht einen Teil ihrer umfangreichen Geldreserven über Sonderdividenden an ihre Anteilseigner ausschütten. Andere Unternehmen haben angekündigt, eigene Aktien zurückzukaufen. Allein der Automobilkonzern Daimler will - aufgrund "hoher Nettoliquidität" sowie "guter Ergebnisperspektiven" - bis Ende 2008 eigene Aktien im Wert von 7,5 Milliarden Euro erwerben. Das sind fast zehn Prozent des Kapitals.

Das wird von den meisten Aktionären begrüßt und am Kapitalmarkt belohnt. Schließlich ist die Entscheidung einer Aktiengesellschaft richtig, nicht benötigtes Geld auf diese Weise den Aktionären zurückzugeben. Bei solchen Meldungen darf man dennoch die kritische Frage stellen, ob es denn keine spannenden Investitionsmöglichkeiten mehr in Deutschland oder auch für deutsche Unternehmen im Ausland gibt, die langfristig einen höheren Gewinn auf das eingesetzte Aktionärskapital versprechen als all die vielen unterschiedlichen Finanzprodukte, die dann mit dem zurückgegebenen Geld erworben werden könnten.

Es ist noch gar nicht so lange her, dass die Fachwelt vor allem Hochtechnologie-Unternehmen und deren Aktionären geraten hat, gar keine Dividende auszuschütten, weil es für den langfristigen Unternehmenserfolg besser sei, wenn die Gewinne in die Entwicklung neuer Produkte und Verfahren und deren Verbreitung auf den internationalen Märkten eingesetzt würden. Außerdem spare das Unternehmen so noch Steuern.

Unsere großen Konzerne haben in den letzten Jahren aus der Erkenntnis heraus, dass Deutschland ein Hochlohnland bleiben wird, durch erfolgreiche Reorganisation und Investitionen in technische Ausrüstungen eine sehr hohe Produktivität erreicht. Outsourcing und Rationalisierung hieß die Zauberformel. Jetzt haben sich die Unternehmen - wie man sagt - auf ihre "Kernkompetenzen" reduziert, sind schlank und schlagkräftig geworden.

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