So seh ich es
Keine Spielwiese für Lobbyisten

Es ist noch nicht allzu lange her, dass China anderen Ländern technologisch hinterherhinkte Die Möglichkeit, dass wir einmal von den Nachzüglern eingeholt, vielleicht sogar überholt werden könnten, war hingegen nicht in unserem Fokus. Heute sind wir schlauer. Doch diese Erkenntnis hat ihren Preis.

Viele Leser werden sich noch an die Zeiten erinnern, als sich Asien unter der technologischen Führerschaft Japans, etwa im Fahrzeug- und Schiffsbau oder in der Unterhaltungselektronik, als eine Art talentierter Lehrling zeigte. Die Ökonomen nannten den beeindruckend rapiden Wachstumsprozess der asiatischen Tigerländer "nachholende Entwicklung". Dort war bekannt, welche Branchen, Produkte und Herstellungsmethoden lukrativ und zukunftsträchtig waren. Schließlich gab es Pionierländer wie Deutschland, an deren technologischen Erfolgen man sich orientieren konnte. Die Möglichkeit, dass wir einmal von den Nachzüglern eingeholt, vielleicht sogar überholt werden könnten, war hingegen nicht in unserem Fokus. Heute sind wir schlauer. Doch diese Erkenntnis hat ihren Preis.

Obwohl Deutschland sicher noch technologische Meisterleistungen vollbringt, auf die wir auch weiterhin stolz sein dürfen und die uns ausgezeichnete Arbeitsplätze sichern, gibt es einen ernsthaften Grund zur Besorgnis. In der absoluten High-End-Technologie wurde Deutschland mittlerweile auf die Plätze verwiesen.

Der Anteil von Spitzentechnologie am deutschen Exportwert hat nur noch einen Anteil von 18,5 Prozent. Damit fallen wir in einem entsprechenden Ranking auf Platz elf zurück. Zum Vergleich: Spitzenreiter Irland kommt auf einen Anteil von sagenhaften 55 Prozent.

Befindet sich jetzt etwa Deutschland in nachholender Entwicklung? Für eine solch bittere Diagnose reichen die Zahlen sicher noch nicht aus. Sie belegen aber die Notwendigkeit, den wirtschaftspolitischen Kurs zu korrigieren. Das wusste Gerhard Schröder schon während seiner ersten Amtsperiode. Und das weiß natürlich auch Angela Merkel. Die Kanzlerin tut es ihrem Vorgänger deshalb gleich und installiert einen "Rat für Innovation und Wachstum".

Sich in allen wichtigen Fragen fachkundig beraten zu lassen ist richtig und in einer Demokratie, die unter anderem zu diesem Zweck in jedem ministerialen Ressort große Expertenstäbe unterhält, sicher nicht neu. Was aber erwartet man sich von der Berufung eines solchen Rates?

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