So seh ich es
Können wir von China lernen?

In der Volksrepublik ist der Wille zu Aufbau und Entwicklung nicht mehr die Veranstaltung einer selektiven Elite, sondern bindet das gesamte Volk mit ein.

Von der Chang Jiang Business School, einer der erfolgreichsten privaten Hochschulen Chinas, war ich in der vergangenen Woche eingeladen, einen Vortrag über die Wirtschaftssituation in Deutschland und die Möglichkeiten einer Intensivierung der industriellen Kooperation beider Länder zu halten. Meine Erläuterungen über das Reformprogramm für die Bundesrepublik Deutschland musste ich kurz fassen, weil die Probleme und Hindernisse bei der Flexibilisierung des deutschen Arbeitsmarktes kaum verstanden wurden und bei meinen Zuhörern nur ungläubiges Staunen hervorriefen. So erfuhr ich bereits in einem Gespräch am Vorabend in Xi?an vom Provinzsekretär der Kommunistischen Partei, dass der Arbeitsmarkt in der Volksrepublik China selbstverständlich so gestaltet werde, dass optimales Wachstum möglich sei - in seiner Provinz Shaanxi erwarte er schon neun bis zehn Prozent.

Also konzentrierte ich mich darauf, die hoch entwickelte deutsche Technologie in den Bereichen Energieanlagen, Verkehrstechnik, Automobilindustrie und Optik sowie Chemie- und Pharmaproduktion darzustellen und die vielfältigen Möglichkeiten zu erläutern, die diese Entwicklungen für den großen chinesischen Markt mit seiner wachsenden Nachfrage und seinem Potenzial an preiswerten Arbeitskräften böten. Ich erläuterte die Probleme des Rechtsschutzes von Lizenzen und Patenten und lobte die Dynamik der chinesischen Wirtschaft.

Letzteres wäre gar nicht notwendig gewesen. Selbstbewusst stiegen die "Studenten", von denen sich ein großer Teil als Unternehmensführer entpuppte, die am Abend in der Business School ihre theoretischen Wissenslücken füllen und ihre Examen nachholen, in die Diskussion ein. Dabei ließen sie keinen Zweifel an ihrem Ehrgeiz, sich auf Dauer von der Abhängigkeit des technologischen Wissenstransfers deutscher und europäischer Unternehmen zu befreien.

Sie verwiesen darauf, dass China mit großen Programmen darangegangen sei, die Kapazitäten seiner Hochschulen und Forschungseinrichtungen auszubauen, um den technologischen Rückstand aufzuholen. Viele chinesische Fachleute und Wissensträger würden aus dem Ausland zurückkommen und mit ihren Erfahrungen bei der raschen Entwicklung der chinesischen Wirtschaft helfen. Partnerschaften würden begrüßt, und alle seien eingeladen, in den boomenden Markt Chinas zu investieren. Chinesische Firmen könnten außerdem ausländische Unternehmen kaufen und deren Technologie nach China holen. Der harte Wettbewerb sei für alle gut.

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