So seh ich es
Melancholische Kapitulation vor der Realität

Den aktuellen Zustand der politischen Diskussion in Deutschland kann man wohl kaum treffender bezeichnen als mit den Worten Renate Köchers vom Institut für Demoskopie Allensbach: "Melancholische Kapitulation vor der Wirklichkeit".

Obwohl die Reformgegner am ersten November noch einmal mühsam 100 000 Demonstranten in Berlin versammeln konnten, werden die Versuche der großen Interessengruppen, sich wehklagend der Notwendigkeit von Reformen zu entziehen, immer zaghafter. Das lässt sich nicht zuletzt damit begründen, dass die ersten Maßnahmen, welche die Krise erzwungen hat, ihre Wirkungen am Arbeitsmarkt zeigen.

Zwar kann von einem Abbau der Arbeitslosigkeit bislang nicht die Rede sein. Bei einem derzeitigen Nullwachstum kann natürlich keine Nachfrage nach neuen Arbeitsplätzen entstehen. Die Dynamik des Abbaus der Arbeitsplätze lässt jedoch nach. Und diese Entwicklung ist allein der Flexibilisierung der Arbeitszeiten zu verdanken. Durch unvergütete Mehrarbeit ebenso wie durch Arbeitszeitverkürzungen mit Lohnanpassung nach unten - zwei Strategien, welche sich auf den ersten Blick zu widersprechen scheinen - werden die notwendigen Anpassungsspielräume geschaffen.

Das vor langer Zeit bei Volkswagen eingeführte Modell der Absenkung von Wochenarbeitszeiten (Vier-Tage-Woche) gegen Lohnabschlag wird nun auch von der Deutschen Telekom, dem Energieversorgungsunternehmen EnBW, dem Autobauer Opel und einer zunehmenden Zahl weiterer Unternehmen als Alternative zur Massenentlassung angeboten. Andererseits wird etwa bei der öffentlichen Hand - vor allem in den Bundesländern und in den Kommunen - die Rückkehr zur 40-Stunden-Woche vorbereitet und ist schon teilweise realisiert. So können mittel- und langfristig durch die Reduzierung von Neueinstellungen Steuergelder eingespart werden.

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