So seh ich es
Nachdenken und handeln

Die Ausweitung der Finanzkrise zu einer weltweiten Wirtschaftskrise sorgt für Unruhe. Noch können die Unternehmen die Ausfälle kompensieren. Doch damit Deutschland die Krise unbeschadet übersteht, ist auch ein klares Konzept der Politik gefordert. Bund und Länder müssen bei den öffentlichen Investitionen mehr Engagement zeigen.
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Die globale Finanzkrise weitet sich zur weltweiten Wirtschaftskrise aus. Noch wird der Absatzeinbruch im Fahrzeugsektor durch den Abbau von Überstunden, die Freistellung von Leiharbeitern und andere Flexibilitätsinstrumente abgefedert. Aber die Produktionspause in der Weihnachts- und Neujahrszeit wird von Woche zu Woche verlängert und verbreitet Angst. Geht es gleich in die Kurzarbeit? Kommen gar Entlassungen? Obwohl die Zahlen vom Arbeitsmarkt noch ordentlich sind, ist ungewiss, was kommen wird, wenn die Anschlussaufträge etwa in der Exportindustrie ausbleiben. Das schafft Unruhe.

Die Decke des vergangenen Aufschwungs wird dünner und dünner. Jetzt werden die strukturellen Schwächen unserer Wirtschaft wieder sichtbar. Gerade jetzt, wo es wichtig ist, endlich Veränderungen einzuleiten, stellt unser Bankensystem durch den allgemeinen Vertrauensverlust auch denen, die in Innovationen investieren wollen, nicht genügend Kapital zur Verfügung. Das ist wirklich fatal.

Noch haben wir kein klares Konzept, wie wir dieser Situation begegnen können. Deshalb sollten wir die Möglichkeiten ruhig öffentlich diskutieren. Doch wir dürfen den Menschen nicht nur sagen, dass das neue Jahr das Jahr der schlechten Nachrichten wird, sondern wir müssen auch zeigen, dass wir alle Ideen und Konzepte - gleichgültig, woher sie kommen - auf ihre Eignung prüfen werden. Wir müssen verstehen, dass die Bürger unruhig werden, weil sie natürlich etwas gegen diese Entwicklung unternehmen wollen, und das ist gut so. Sie sollen mitdiskutieren und lernen, mit der momentanen Ungewissheit vernünftig umzugehen.

Die Menschen wollen zusammenstehen und die Krise bewältigen. Es ist daher kein Wunder, dass auch über die Große Koalition wieder freundlicher geredet wird. Dahinter steckt wohl der generelle Wunsch nach einer großen Koalition der Vernunft. Und es gibt Anlässe zu glauben, dass dieser Wunsch wenigstens ein Stück weit erfüllt wird.

Erstens: Die Europäer haben schnell, gut und einvernehmlich die aktuelle Finanzkrise abgefangen. Man wird aus der Entwicklung weitere Erkenntnisse sammeln und - wo notwendig - nachbessern. Das ist der richtige Weg. Zweitens: Die Bundesregierung hat ein erstes Paket zur Bekämpfung der Rezession zügig verabschiedet und bereits akzeptiert, dass eine zweite Stufe folgen muss. Dabei wissen wir aus den wissenschaftlichen Auswertungen der Geschichte - vor allem von John M. Keynes -, dass wir die Nachfrage irgendwie stimulieren müssen. Deshalb stehen aktuell vor allem folgende Konzepte zur Diskussion: Steuersenkung, Senkung der Lohnnebenkosten, Konsumgutscheine und öffentliche Investitionen in die Infrastruktur unter Inkaufnahme einer höheren Verschuldung.

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