So seh ich es
Netzwerke für die Zukunft

Die Zahl ausländischer Studenten in Deutschland hat einen Rekordwert erreicht. Seit 1997 hat sich deren Zahl fast verdoppelt und liegt nunmehr bei knapp 190 000. Dennoch muss sich Deutschland noch intensiver als bisher um ausländische Studenten bemühen.
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Deutschland nimmt im weltweiten Vergleich den dritten Platz ein, übertroffen nur von den Vereinigten Staaten und Großbritannien - zwei Länder, deren Eliteuniversitäten zum einen und deren Landessprache zum anderen für die Karriereplanung vieler junger Talente rund um den Globus anscheinend noch am attraktivsten sind. Dennoch ist der dritte Platz gewiss kein Grund für Traurigkeit, zumal an dem sprachlichen "Handicap" nun einmal nichts zu ändern ist.

Immerhin - und auch das ist eine gute Nachricht - sind wiederum die deutschen Studenten im Vergleich zu den USA und Großbritannien die deutlich aktiveren, wenn es darum geht, im Ausland zu studieren. Dafür entscheiden sich hierzulande fast drei Prozent, während die Briten es nur auf rund ein Prozent und die Amerikaner gar nur auf 0,2 Prozent bringen.

Seit dem Jahr 2000 hat es einen enormen Anstieg an deutschen Auslandsstudenten gegeben. Ihre Zahl ist in diesen Jahren um 46 Prozent von 52 000 auf 76 000 angestiegen. Die junge Generation hat offenbar sehr gut verstanden, welche Herausforderungen und natürlich auch welche Chancen in der globalisierten Welt auf sie warten. Das ist ein positives Zeichen.

Wir leben in einer Welt, die quasi immer kleiner wird. Die Wirkungszusammenhänge werden immer enger, und Nationalstaaten können immer weniger nur ihr eigenes Süppchen kochen. Dabei bietet die Globalisierung nicht nur Risiken und eröffnet keinesfalls nur neue Probleme. Im Prozess der Globalisierung steckt vielmehr die Formel für eine bessere Welt.

Wer bereit ist, die neuen Herausforderungen aktiv anzunehmen, kann nicht nur persönlich davon profitieren, sondern auch seinem Heimatland einen Dienst erweisen. Es ist kein Zufall, dass etwa das Schwellenland China Auslandsstudien mit Stipendienprogrammen fördert und mittlerweile über 400 000 Studenten in die Welt hinausschickt. Die sind an deutschen Hochschulen auch willkommen und stellen mit über 26 000 Studierenden die Nation der meisten Auslandsstudenten an deutschen Universitäten dar. Das ist eine begrüßenswerte Entwicklung. Sowohl politisch als auch wirtschaftlich sind diese Kontakte auf Dauer wirkungsvoller und zuverlässiger als alle hochoffiziell formulierten Absichtserklärungen.

Die Studenten von heute sind die Entscheidungs- und Leistungsträger von morgen. Sinn und Inhalt eines Auslandsstudiums ist nicht allein der Wissenstransfer. Einher gehen vielmehr ein kultureller Austausch und nicht zuletzt die Möglichkeit, belastbare und nachhaltige Netzwerke zu knüpfen.

Eine Politik, welche die internationale Mobilität von Studierenden fördert, ist daher nicht nur bildungspolitisch sinnvoll, sondern gehört auch unbedingt zu einer sinnvollen außenpolitischen Langfriststrategie. Und zu guter Letzt ist sie gewissermaßen eine vorsorgende Exportpolitik. Gerade Asiaten, denen die wirtschaftliche Zukunft gehört, legen bei ihren Geschäften großen Wert auf persönliche Bekanntschaft und zuverlässige Netzwerke.

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